Ich weiss nicht, wie es so manch andere(r)m 50plus-Leser(in) zeitmässig täglich geht, ob nun im Berufsalltag stehend oder bereits in Rente.

Aber ich denke sehr oft, das Gefühl der Hektik, trotz modernen Kommunikationsmitteln bleibt immer wie ein Schatten neben uns erhalten.

Es macht keinen Sinn, den „guten alten Zeiten“ ohne TV, ohne Handy, ohne PC, dafür mit Schreibmaschine, Stenoblock, handbetriebenen „Spiritus-Kopiergeräten“ usw. nachzutrauern.
„Tempi passati“ sagt man doch, aber manchmal neige ich zu der Ansicht, ein wenig mehr Zeit wäre im heutigen Alltag doch angebracht.

Die Zeit zerrinnt uns buchstäblich zwischen den Händen – wo ist sie nur geblieben ?

Es beginnt schon morgens in aller Frühe – kaum habe ich mit meiner Arbeit begonnen, schon wollen alle etwas von mir und ausserdem noch zu gleicher Zeit. Und kaum begonnen, soll es auch schon fertig sein, die Ungeduld läuft parallel mit der Bitte, mit der Forderung usw.

Das ist unheimlich, aber nicht zu ändern. Entweder ist man fit genug, um das Tempo mithalten zu können oder man befindet sich auf dem bereits angesägten Ast.

Und von Rücksicht auf das Alter keine Spur.

Da sind doch psychosomatische Störungen längst vorprogrammiert – sehr zum Nutzen von entsprechend ausgebildeten Fachärzten und Kliniken.

Da kann mach einer mit dem frommen Wunsch „carpe diem“ – geniesse den Tag – völlig daneben liegen, denn der Geschäftsalltag ist sehr oft „ungeniessbar“

Liegt es etwa an mir, mit der vorhandenen Zeit nicht umgehen zu können, liegt es daran, dass ich mich und die mir zur Verfügung gestellte Zeit nicht organisieren kann ?
Alles ist möglich und denkbar, aber wohin soll das führen ?

Und wie sieht es erst aus, wenn ich dann in Rente bin ?
Habe ich dann etwa mehr Zeit, mehr Ruhe, mehr Entspannung ?
Was ich so höre und lese ist eher gegenteiliger Natur.

Nun, die „guten alten Zeiten“ sind endgültig und definitiv vorbei – also versuche ich, mich am Heute zu freuen und die „gute Neue Zeit“ zu geniessen, auszukosten – so gut es eben geht !
Ich möchte das mal so ausdrücken: Jede Zeit hat ihre Zeit..und diese Zeit ist unsere Zeit.

Das Gefühl zu haben, nicht mit halten zu können, hat auch etwas mit "loslassen" zu tun. Wieso soll man/frau sich heute mit 30-40-jährigen messen wollen.... wozu ist das gut?

Ich kenne keine Rücksichtlosigkeit auf das Alter!! Wenn ich meinen jungen Kollegen sage, dass ich nicht mehr so schnell bin und auch nicht bereit bin, krank und verbraucht in Rente zu gehen, dann erfreue ich mich daran, dass grade meine jungen Kollegen genau darauf Rücksicht nehmen und bereit sind meinen Arbeitsbereich etwas zu verkleinern, aber von meinem Wissen und Können durchaus noch gerne partizipieren möchten.

Mit jedem Jahrzehnt genieße ich meine neuen 100%.

Fischli; vllt solltest du einfach auch mal deine "100%" überdenken. Auch du lebst im Hier und Jetzt und genieße diese Zeit mit all ihren Vorteilen (Neuerungen).


LG Vanilla
Danke Vanillatraum für Deinen Kommentar.

Weisst Du, ich habe mich ja mit diesem Artikel nicht beklagen wollen, nur fühlen, ob andere auch so empfinden.
Das "Loslassen können" hat mit meinem Beruf nicht soviel zu tun, ich müsste höchstens sofort in Rente gehen und das geht nicht.
Ich messe mich auch nicht mit 30-40-Jährigen, ich arbeite und lebe so, wie ich bin - halt etwas langsamer. Dafür bringt man mir auch Verständnis entgegen.

Aber die Tatsache, dass ich abends dann einfach kaputt bin, viel gearbeitet habe und trotzdem das Gefühl nicht loswerde, keinen Strich getan zu haben, das ist irgendwie komisch. Aber ich glaube schon, dass es anderen auch so ergeht.

Dass bei meinem Beruf, den ich als Bauleiter ausübe, nicht gross Rücksicht auf das Alter genommen werden kann, das ist von Natur aus so gegeben. Der Zeitdruck ist latent vorhanden und ich muss einfach aufpassen, dass ich diesem gewachsen bin.
Dass beim schöneren Geschlecht mehr darauf Rücksicht genommen wird, auch das ist logisch erklärbar und auch sinnvoll.

Ich bin gespannt, ob auch andere Leser(innen) sich noch zu diesem Thema äussern werden
Ich denke, daß dieses von dir beschriebene Zeitgefühl (daß immer und überall weniger Zeit übrig bleibt) sehr viel mit unserem fortschreitenden Alter zu tun hat. Dieses latente Bewußtsein, daß für vieles gar keine Zeit mehr bleibt und – noch viel schlimmer(!)- daß vieles nicht realisierbar war und sein wird. Ich empfinde das als Revision meiner Zielsetzungen aus früheren Jahren und meiner verbleibenden Ansprüche an das Leben, die noch umsetzbar bleiben können.

Besonders seit mein Partner unheilbar krank wurde, fühle ich Zeitgrenzen umso deutlicher.
Was mir so dieses Gefühl der knapper werdenden Zeit vermittelt, ist die Erkenntnis, daß ab einer gewissen Phase es nicht mehr „besser, toller und lebenswerter“ wird, sondern daß das in jungen Jahren erstrebte hohe Alter ganz schnell bittere Endstände aufzeigen kann...die wir gar nicht im voraus wissen wollen! Nur wenige von uns werden irgendwann glücklich und zufrieden Abschied nehmen!

Mir hilft manchmal tatsächlich einfach mal zurück lehnen und den Augenblick der Gegenwart genießen. Z. b., wenn mich mein Enkelkind von einem Foto anstrahlt.
Ein wichtiger Teil meiner "guten neuen" Zeit... :D

Ähnlich wie du stehe auch ich noch mitten in einem Streßjob mit viel Druck und Erwartungshaltungen von mehreren Seiten.
Und wie sieht es erst aus, wenn ich dann in Rente bin ?
Habe ich dann etwa mehr Zeit, mehr Ruhe, mehr Entspannung ?
Was ich so höre und lese ist eher gegenteiliger Natur.


na auf alle Fälle hast Du das, wo liest Du denn das Gegenteil?
Ich genieße einfach keinen Chef mehr zu haben, niemand hat mir heute noch was vorzuschreiben,
Kunden können mich mal, ich tu nur das was ich will und auch nur wenn ich es will
egal, wer sich über mich beschwert, ich kriege meine Rente

was ich allerdings rechtzeitig getan habe, war den Lebensstandart probeweise runter zu setzen
brauch ich dies oder jenes wirklich? Wo ist die Grenze, worauf kann ich verzichten?
Es ist wesentlich leichter vorher Abstriche zu machen, als hinterher zu erleben, daß es kneift
dazu verdienen is nich mehr, schaff ich auch gar nicht mehr
Das Problem trifft sicher jeden anders. Ich kann keine Leistungsminderung erkennen. Was jedoch erkenbar ist, ist der Bedarf an Erholungsphasen, um den accu wieder aufzuladen und der grösser ist als früher.
Mit Hektit kann ich heute besser umgehen als mit 30, viele lasse ich einfach abprallen, was mich damals noch zappelig gemacht hätte. Besser den Unterschied zwischem Wichtigem und Unwichtigen zu erkennen bringt das Alter mit seiner Erfahrung mit sich.
Besonders wichtig scheint mir, sich eine Tätigkeit oder ein Hobby zu suchen, das man auch bis ins hohe Alter und bei nachlassender Spannkraft ausüben kann. Wenn die Konstitution einen zwingt, mit etwas aufzuhören muss bereits Ersatz dafür vorhanden sein.
Bauleitung bis zum Ende habe ich nicht gemacht, sondern habe in eine Alternative gewechselt, bevor mich der Job aufgefressen hat. Du solltest dies auch versuchen. Wir haben nur ein einziges Leben.
Danke Benno für den guten Tipp !
Aber soo lange muss ich nun auch wieder nicht warten - mein Rentenstand beginnt offiziell in genau 10 Monaten, das ist doch noch auszuhalten, oder ?
Also ich find die Zeit, in der wir heute Leben auch nicht so prickelnd, nur Konsumzwang, immer höher, weiter, die ganze Zeit erreichbar sein, etc. Ändern kann da glaube ich jeder selber etwas daran, die Gesellschaft als ganzes wird sich nicht ändern.
Man kann vieles ertragen, sehr vieles. Unabhängig davon, in welchem Zeitalter man sich gerade befindet.
Setzt aber voraus, dass eben ein Ausgleich vorhanden ist. Nur wenn man auf sich alleine verlassen ist, neigt man dazu, das "FRÜHER" zu verherrlichen. Hat man aber die nötige Zerstreuung, kommt man gar nicht auf die Idee, so viel an früher zu denken. Nicht wahr.