Verdandi hat geschrieben:
Nicht Trump ist interessant, sondern die vielen Menschen, die ihn wählen, sind es (s. Thread "Politische Philosophie").

Mein zweiter Satz bezog sich auf den Thread als ganzes, d.h. auf das Thema Gier bzw. Habsucht. Auch wenn Du diese griechisch bezeichnest, bleibt sie für mich ein "gesundheitliches" / ggf. pathologisches Thema - ohne  philosophische Relevanz.




Ob die Gier nach dem Besitz auf gesundheitliches Befinden, auf einen seelischen Mangel zurückzuführen ist oder nicht, ändert nichts an der Situation, dass sie in Trumps Fall wiedermal die Welt bewegt.
Sein Verhalten ist für Millionen Menschen vorbildlich, ein Auslöser sein Gieren zu akzeptieren, zu kopieren und zu stärken, quasi die Gier zum Zweck der Unterdrückung als Lebensphilosophie gut zu heißen.
die "Gier als Lebensphilosophie"....

das hat was :!:
…."Aus hochstrebenden und ehrsüchtigen Männern werden zuletzt erwerblustige und geldliebende, und den Reichen loben und bewundern sie und ziehen ihn zu Ehren, den Armen aber achten sie gering.“ ….

Ein Satz, der es in sich hat: Zunächst geht es um das Hochstreben, anstatt nur um das einfache Streben, und dann um die Streber, die nicht nur einfach nach Ehren streben, indem sie der Ehre begehren - also ehr(be)gierig sind -, sondern die von dem übermäßigen (zwanghaften und daher krankhaften) Streben nach Ehre schon süchtig (also krank) sind (oder meint der Übersetzer damit etwa lediglich den zwanglos Ehrsuchenden, der keineswegs krank, sondern ganz gesund ist?)

Heute sagt man ja nicht mehr „ehrsüchtig“ sondern „ehrgeizig“, was aber mittlerweile auch eine ganz andere Bedeutung zugewiesen bekommen hat, indem man den Ehrgeiz nämlich positiverweise als „Zielstrebigkeit“ versteht, während er eigentlich bedeutet, dass man nicht etwa nach Ehren STREBT (oder zwanghaft giert), sondern viel mehr damit GEIZT, nachdem man sie bereits erlangt hat, indem man seinen Ehrenplatz nicht mit Anderen zu teilen bereit ist, wobei da auch noch das zwanghafte Streben nach immer mehr Geltung hinzukommt, sodass man als geltungssüchtig gilt.

Das „Süchtig-Sein NACH Etwas“, was eigentlich einem „Suchend-Sein“ entsprechen soll, hat jedoch Nichts mit dem „krankhaften Streben“ im Sinne einer Zwanghaftigkeit zu tun, bei der der Zwanghafte z.B. unter dem Zwang der Gewohnheit oder einer Obsession handelt, und auch Nichts mit dem Krank-Sein, welches auf der Zwanghaftigkeit des Strebens beruht, sodass man richtiger sagen müsste: „Süchtig-Sein VON Etwas“ und "Suchend-Sein, bzw. auf der Suche sein, NACH Etwas".

Wenn man nun die äußeren Zwänge durch die Erziehung und gesellschaftlich bedingte Repressalien als Ursache für die gewaltige Anpassungsleistung des sich selber Zwingenden bei der Selbstzensur annimmt, nimmt es kein Wunder, wenn diese Zwänge dann so verinnerlicht worden sind, dass sie zum Selbstläufer werden, und der Betreffende gar nicht mehr extrinsisch mit Inaussichtstellung von Belohnung oder dem Androhen von Strafen zu Höchstleistungen motiviert zu werden braucht, sondern sogar intrinsisch motiviert ist, den Weg des leichtesten Widerstandes zu gehen, indem er gehorsam das tut, was man ihm eingehämmert hat, und was er am Ende auch für richtig hält, sofern er damit erfolgreich ist - selbst wenn er dafür über Leichen gehen muss.

Die "Gier als zwanghaftes Streben nach Besitz von Ruhm und Ehre" und der "Geiz als zwanghaftes Festhalten des Besitzes von Ruhm und Ehre" muss den Ehrgierigen und Ehrgeizigen selber jedoch noch nicht krank machen, sofern er noch in der Lage ist, sozial auf angemessene Weise zu reagieren, denn das Krank-Sein wird ja dadurch definiert, dass man sich nicht mehr an die sozialen Anfordernisse innerhalb der menschlichen Gemeinschaft anpassen kann, sodass man nicht nur der Rücksichtnahme durch Andere, sondern sogar fremder Hilfe bedarf.

Dadurch, dass „geldliebende Männer“ eine Lust dabei empfinden, nicht nur das Geld, was sie bereits besitzen, sondern auch die damit verbundene Geltung bei Gleichgesinnten zu genießen, werden sie auch zu Geltungsliebenden, wobei das Geld nur noch die Funktion eines symbolischen Entgeltes für Leistungen oder Sachgüter innehat.

Zu unterscheiden sind die „den Besitz des Geldes Liebenden“, die das EIGENTUM lieben, welches sie bereits besitzen, von Denjenigen, die das STREBEN nach dem Eigentum lieben, welches sie noch nicht besitzen, sodass die zwanghaft danach Gierenden aus dem Begehren selber (nämlich dem zwanghaften Streben nach dem Besitze) ihre Geltung bei Denjenigen beziehen, Denen es auch vorrangig um das Gieren nach Besitz geht, welches als Belohnung für den Sieg im Wettkampf mit Anderen, über die sie dann triumphieren können, in Aussicht gestellt wird.

Diese für das „erfolgreiche, zwanghafte Streben (oder Eifern) nach der Vormachtstellung über Andere“ in Aussicht gestellte Geltung wäre dann das „Ziel eines EIFERNS“ bis zu dem fiktiven, aber niemals erreichbaren Punkt, wo man allmächtig ist, während das „Ziel des BEGEHRENS“ noch eine andere Komponente beinhaltet, die Nichts mit einem Wettbewerb zu tun hat, sondern darum, den Besitz eines Anderen zu begehren, indem man ihm Diesen mit Gewalt wegnimmt, um ihn sich selber einzuverleiben sodass es auch in den Sozialgesetzen heißt: „Du sollst nicht das Eigentum deines Nächsten begehren!“, was durchaus nicht bedeuten muss, dass man Diejenigen, die Einem nicht nahestehen, nicht trotzdem nach allen Regeln der Kunst überfallen, ausrauben oder ausbeuten darf.

Hier ist die Frage, ob das Ansinnen (wie man heute das Begehren versteht, welches der eigentlichen Handlung der rechtmäßigen oder widerrechtlichen Inbesitznahme vorgeschaltet ist) nicht bereits schon alleine moralisch verwerflich ist - auch wenn mans dem Begehrenden nicht nachweisen kann - , oder erst der tatsächliche Versuch einer widerrechtlichen Inbesitznahme fremden Eigentums, nachdem man der Versuchung des verlockenden Besitzes nachgegeben hat, was man ja dann auch nachweisen und bestrafen kann, damit sich die Wiederholung dieses Verbrechens nicht mehr für ihn lohnt.

Besonders schwierig ist es bei der moralischen Beurteilung des Begehrens eines Ehrenplatzes von Seiten eines Ehrwürdigen, dem dieser Ehrenplatz als Lohn für seine Leistungen in Aussicht gestellt wurde, was daher gesellschaftlich sogar positiv sanktioniert wird, selbst wenn er Anderen, ebenso Ehrwürdigen, diesen Ehrenplatz durch sein rücksichtsloses Erfolgstreben streitig macht, denn in einer Konsum- und Leistungsgesellschaft, wie der unsrigen, gilt nicht nur der Geiz sondern auch die Gier als geil, weil ohne das "zwanghafte Begehren nach immer mehr an Besitz" auch der "Wettlauf um immer mehr Profit zum Nachteil Anderer, die man damit um ihren gerechten Schadensausgleich betrügt" zum Stillstand käme.
Besonders schwierig ist es bei der moralischen Beurteilung des Begehrens eines Ehrenplatzes von Seiten eines Ehrwürdigen, dem dieser Ehrenplatz als Lohn für seine Leistungen in Aussicht gestellt wurde, was daher gesellschaftlich sogar positiv sanktioniert wird, selbst wenn er Anderen, ebenso Ehrwürdigen, diesen Ehrenplatz durch sein rücksichtsloses Erfolgsstreben streitig macht, denn in einer Konsum- und Leistungsgesellschaft, wie der unsrigen, gilt nicht nur der Geiz sondern auch die Gier als geil, weil ohne das "zwanghafte Begehren nach immer mehr an Besitz" auch der "Wettlauf um immer mehr Profit zum Nachteil Anderer, die man damit um ihren gerechten Schadensausgleich betrügt" zum Stillstand käme.

Wohin sollte die Erkenntnis über die eigene Gier und die der Anderen führen?

Die Fragen über die Entstehung sind auch zum grössten Teil hier schon sehr treffend analysiert und dargelegt worden.

Es geht also gar nicht darum ob gieren nach (in) Besitz(nahme) nur „böse“ Menschen betreffen, sondern vor allem wie kann die Gier, die zur Sucht ausgeartet ist geheilt werden, oder besser, wie kann die Sucht überhaupt vermieden werden.

Das wäre also ein Balanceakt, der Jede/r für sich ausmachen müsste.

Wenn man die Auswüchse des Gierens in der heutigen Gesellschaft sieht, kann man auch sagen, dass sich das System des zwanghaften Gierens längst verfestigt hat und zur sogenannten Normalität geworden ist.

Also geht das zwanghafte Gieren längst über das natürliche Ansaugen, Einverleiben und Festhalten (flippa 1) hinaus und ist auseinanderzuhalten.

Gehen wir dann die Entwicklungsschritte mit dem Säugling und dem Kleinkind weiter, können wir erkennen was nach Bevorzugungen in der häuslichen Gruppe und im Vorschulkindergarten weiter geschieht.
Sobald die Betreuungsperson den Fokus auf ein bevorzugtes Kind richtet, beginnt der Eifer der anderen Kinder nach Gleichbehandlung.
Durch diese Selektion entsteht die Gier zum "Beziehungsbesitz“ also die übertriebene Gier nach Beachtung und Anerkennung, die man auch mit niemand Anderem bereit ist zu teilen, genauso wie das beim auserwählten Kinde selber auch der Fall sein kann.

Aber eben
Wie Herbstrose am 12. Oktober schon bemerkte

„Wen soll das bewegen, Habgier zu bekämpfen, wenn sich niemand selbst als "habgierig" ansieht?
Und die Trennung von überflüssigem Besitz bedeutet noch lange nicht Einsicht in übersteigerte Besitzgier.
Da weder das von dem Begehrenden zwanglos noch zwanghaft betriebene Begehren bereits eine Krankheit namens Habsucht darstellt, unter der er leiden muss, sondern erst sein vergebliches Ankämpfen gegen den Zwang, den Andere auf ihn ausüben, indem sie ihn zum Gieren nötigen, damit er zum Lohn dafür von ihnen wohlgelitten wird, ist sein verstärktes Gieren genau das Mittel, um sein Leiden zu beheben.

Vielleicht kann man das Gieren auch gut mit dem "Streben oder Eifern nach Etwas" vergleichen, während man Begehren eher einem "passivischen Sehnen entspricht, bei dem man hofft, Etwas zu bekommen, auch ohne danach aktivisch gieren zu müssen

Zur Krankheit hingegen führt vor Allem der dauerhaft erzwungene Verzicht auf das Begehrte wider Willen, nachdem das Gieren vergeblich war, sodass der Gierige aufgrund eines nicht gedeckten Bedarfs an einer Mangelkrankheit dahinsiecht.

Ansonsten sind Diejenigen die Leidtragenden, die durch das übertriebene Gieren des Gierigen geschädigt werden, der sich nicht mit dem Besitz Dessen begnügen will, was er für ein gutes Leben ohne Not braucht, und sich daher am gemeinschaftlichen Besitz auf Kosten Anderer gütlich tut.

Daher möchte ich an dieser Stelle noch Etwas zur „Pflicht des werterhaltenden Bewahrens von gemeinschaftlichem Besitz“ hinzufügen:

Goethes „Was du von deinen Eltern hast ererbt, erwirb es, um es zu besitzen!“ weist auf die ererbten Eigenschaften und damit verbundenen Fähigkeiten hin, die man auch Talente nennt, aus denen man Fertigkeiten machen soll, um sie auch für sich und für Andere nutzen zu können.

Damit wird das Besitzen nicht nur als ein statischer Endzustand des aktivischen Gierens nach dem Besitze angesehen, wobei das dabei zwangsläufig angehäufte Vermögen zum Selbstzweck wird, sondern als eine passivische Tätigkeit, mit der man seinen Besitz klug verwaltet, um einen maximalen Nutzen daraus zu ziehen.

Eine ererbte Eigenschaft, aus der man Nichts macht, ist wie ein vergeudetes Talent (griechische Währung), was – auf das Geld als Symbol für Wirtschaftsgüter und Leistungen bezogen – bedeuten würde, dass man seinen Besitz hortet, anstatt ihn für das zu nutzen, womit das Leben lebenswert wird, was auch bedeutet, dass man es zirkulieren lässt, indem man es an Andere abgibt, um es bei ihnen dafür gegen Gebrauchsgüter einzutauschen, womit die Menschen ja zu Handelspartnern werden.

Der Geizige, der sein Wissen nicht an Unwissende weitergibt, ist genauso arm dran, weil er dafür keinen Gegenwert einhandeln kann, wie der Riese, der den Nachbarskindern verbietet, in seinen Garten zu spielen, sodass bei ihm der soziale (und nicht emotionale) Winter Einzug hält.

Darüber hinaus ist das Verweigern der Weitergabe von Wissen an Folgegenerationen sogar schädlich für die ganze Gemeinschaft und führt - ähnlich wie bei einer Naturkatastrophe, bei der viele Fachleute zu Tode kommen und ihr ganzes Wissen mit ihnen verloren geht - unter Umständen zur Degeneration des kulturellen Vermögens der gesamten, bisher mühselig zivilisierten, Menschheit.

Was hingegen das Geizen mit Emotionen betrifft, die man als „nachdrücklichen Hinweis auf sein Begehren im Sinne einer Forderung“ anstatt lediglich einer Bitte einsetzen kann, oder als Verweigerung derselben, um sich gegen eine unverschämte Forderung zu erwehren, so ist dies ein zweischneidiges Schwert, weil es ja nicht nur positive Emotionen gibt, die für Andere angenehm sind, sondern auch negative, die einen gegenteiligen Effekt haben.

Weiter geht es mit der Glücks-Gunst als ein „Vermögen im Sinne eines zu gewährenden Vorschusskredites“, den man Jemandem erweisen kann, sofern man als Gönner dazu in der Lage ist, ihn glücklich zu machen, indem man seine Wünsche erfüllt.

Jemandem erfolgreich Glück zu wünschen, bedeutet also auch, dass man über die nötigen Mittel verfügt, um dieses an der richtigen Stelle für ihn bestellte Glück auch bezahlen zu können, wozu Derjenige, der kein über das lebensnotwendige Maß hinaus gehendes Vermögen besitzt, welches er extra dafür erworben hat, dass er es zu diesem Zwecke veräußern kann, nicht in der Lage ist.

So verhallt nicht nur der magische, ans Universum gerichtete Wunsch ungehört, weil das Universum keine Wünsche erfüllen kann, sondern der nur scheinbar joviale Gönner enttäuscht damit auch seine Handelspartner, bei denen er mit seinen Zusagen eine Heilserwartung geweckt hat, die er gar nicht erfüllen kann.

Die werden sich fortan nicht mehr mit seinen nicht vorhandenen, guten Beziehungen zu einem grundgütigen Vater im Himmel, der auch mit kleinen Opfergaben zufrieden ist, von ihm blenden lassen, sondern zum Ausgleich dafür, dass sie es ihm ja offensichtlich wert sind, gleich in cash verlangen, was sie glücklich macht, indem sie sagen: "Wünsch mir kein Glück zum Geburtstag, sondern schenk mir lieber 10 Euros!", um sich selber genau das davon kaufen zu können, was sie haben wollen, anstatt das, was sie haben sollen.