@verdandi

Nichts und niemand hat die Frau im Film gezwungen, diesen Mann zu erwählen und sich ihm aufzuopfern. Ihre ganze vertrackte Lage basiert auf falsche Entscheidungen und eine falsch verstandene Loyalität. Ihre Wut am Schluss ist der Beleg dafür.


Was war in der Zeit als sich diese Geschichte abspielte? Wie war die Situation der Frauen damals wirklich?
In Anbetracht, dass nicht Joan Diejenige war die den Joseph verführt hat, sondern Joseph offensichtlich die Joan, schien dahinter auch ganz berechnend die Absicht Josephs zu sein, das Potenzial dieser Frau für sich alleine zu nutzen.
Die Enttäuschung nicht gemeinsam für das schriftstellerische Werk geehrt zu werden und die daraus folgende Wut, brach ja erst durch, als Joseph ihren dringendsten Wunsch, sie wenigstens nicht öffentlich als seine Muse zu nennen, nicht respektierte.

Das Zurückstehen zu Gunsten von Partner und Kindern war in jener Zeit das aufgezwungene Bild einer guten Gattin und Mutter.
Diese Rolle lässt sich jedoch nicht endlos aufzwängen und aushalten, vor allem dann nicht, wenn eigene Wünsche und Bedürfnisse endlos mit Füssen getreten werden.
Ich denke, es waren Beide auf gesunde Weise ob ihrer eigenen Blödheit verstimmt, sie aus genannten Gründen wütend und er zornig, weil sie sich wider Erwarten so verhalten hat.

https://ingeb.org/Lieder/ichkannt.html

(Wurde mir in der Schule noch zum Auswendiglernen und vortragen hingelegt.)


@filofaxi

Die Illusion (falsche Fantasievorstellung), der alleinige Herr(scher) im Hause zu sein, obwohl man es gar nicht ist, weil tatsächlich eine Herrscherin, wie die Frau des Nobelpreisträgers, dort das Sagen hat, lässt sich von dem Größenwahnsinnigen nur so lange aufrechterhalten, wie alle Beteiligten mitspielen.


Das sehe ich ganz und gar nicht so. Sie war absolut nicht die Herrscherin, sie war, wie ich oben schon bemerkte, wider Willen Opfer jener Fantasievorstellungen der Gesellschaft, dass die Frau zuzudienen hätte.
Sie selbst äusserte sich, dass sie nicht als Opfer gesehen werden wolle, denn sie sei viel mehr als dies, was sie und viele andere Frauen jener Zeit ja auch völlig richtig bemerkten.
Nach erfolgreicher Einigung ist es eigentlich irrelevant, wer wen dazu verführt hat, sich mit ihm einzulassen, weil er sich einen besonderen Nutzen davon erhofft, sodass sich daraus alleine auch noch keine besonderen Pflichten und Rechte des Verführers oder des Verführen ableiten lassen.

Hingegen führen nachträglich gestellte, einseitige Forderungen zur Vertragsänderung, welche nicht der ursprünglich gemeinsamen Vereinbarung entsprechen, nicht nur zu Missverständnissen zwischen den Vertragspartnern, sondern auch zum Zerwürfnis, sofern der Andere sich nicht drauf einlassen will oder kann, diese Änderungen zu akzeptieren.

Da man bei Einigung auf eine gemeinsame Vorgehensweise unter den jeweiligen Bedingungen nur mutmaßen kann, ob diese auch weiterhin zum gewünschten Erfolg führen wird, nachdem sie sich bislang erfolgreich erwiesen hat, ist eine Enttäuschung von der Illusion bei Misserfolg - aufgrund welcher Ursachen auch immer - unvermeidlich.

Hier wäre es sozialverträglicher, dem Partner die geänderten wirtschaftlichen, politischen oder auch altersbedingten Umstände zugute zu halten, anstatt sie ihm selber als deren Verursacher schuldhaft anzulasten, was die Partnerschaft zwischen ungleich Starken zwar nicht leichter macht, aber durchaus dabei helfen kann, die für deren Fortbestehen notwendige Toleranz aufzubringen.

In dem Film von der Frau des Nobelpreisträgers ging es letztlich auch nicht nur um die nicht ihr persönlich gewidmete Ehrung für ihre schriftstellerische Leistung, sondern vor Allem um den Wunsch nach Anerkennung ihrer partnerschaftlichen Leistung, welche vielleicht für sie eine genauso große Lebensleistung darstellte, den er durch seinen eigenmächtigen Versuch, sie bei der Gelegenheit ebenfalls öffentlich zu ehren, missachtete.
Da man bei Einigung auf eine gemeinsame Vorgehensweise unter den jeweiligen Bedingungen nur mutmaßen kann, ob diese auch weiterhin zum gewünschten Erfolg führen wird, nachdem sie sich bislang erfolgreich erwiesen hat, ist eine Enttäuschung von der Illusion bei Misserfolg - aufgrund welcher Ursachen auch immer - unvermeidlich.

Die Vorstellung wie es läuft, wie es zu laufen hat, spielt sich ja meistens unterschiedlich vom Gegenüber ab. Während sich der Eine auf einen Dauerzustand, weil der für ihn stimmig ist, einstellt, kann der Andere, weil dieser Zustand für ihn nicht optimal ist, schon andere Pläne für die Zukunft entwerfen von welchen Partners nichts wissen und somit auch keinen Einfluss nehmen können, was für die Planer nicht ganz unerheblich ist.

Das Tandem kann also jederzeit stillstehen, weil der Eine nicht mehr in der Verfassung oder auch nicht gewillt ist in die Pedale zu treten, während der Andere den Berg hinauf nicht so viel zu leisten vermag, als was absolut notwendig wäre, um eben gemeinsam weiterradeln zu können.
Zwangsläufig müssen nun Beide absteigen und "Standort bestimmen". Hier geht es dann nicht mehr um Toleranz und Entgegengehen, sondern um die körperliche Substanz und um des Einzelnen tatsächliche Verfassung, was den Einsatz und die jeweilige Kraft/ Macht nicht nur beim Einen betrifft, sondern was für die gemeinsame Sache von Bedeutung wäre.

Vor was für einem Hintergrund, einer Erlebniswelt, sich unsere Einsätze auch abspielen, eine Szenerie entsteht nach mehr und weniger bedeutenden vorausgegangenen Abläufen sowie Einschätzungen und sind daher immer auch erheblich für das Verständnis des Gegenübers und seiner Handlungen, sowie auch Handlungsunterlassungen.
Natürlich geht es in unserem Alltag nicht nur um körperliche Kräfte, da sind noch subtilere allgegenwärtig die oft weder leicht begreifbar noch fassbar sind und deren Auswirkungen wir erst erkennen können, wenn bereits Schaden eingetreten ist.
Da die Zukunft weder eine wahrhaftige und damit glaubwürdige, noch eine treue und damit vertrauenswürdige Person ist, der man glauben kann oder von der zu erwarten ist, dass sie ihre Versprechen einhält, bleibt nur noch das Hoffen darauf, dass sie so werden möge, wie man es mag und sich somit auch geistig vorstellt – so, als sei sie bereits eingetreten.

Wenn man es nun mit echten Partnern zu tun hat, die aufgrund von begrenzter Machtfülle nicht in der Lage dazu sind, ihre vollmundigen Versprechen einzuhalten, und man verlässt sich dennoch darauf, so wird man bekanntlich auch verlassen, und zwar für jemand Anderen, der dem Partner für dessen Zwecke besser geeignet zu sein scheint.

Der Betrug um allgemein gültige Gewohnheitsrechte oder um speziell zugesicherte Nutzungsrechte, erfolgt umso sicherer, je mehr die Vorteile, welche der Betrüger dadurch zu erlangen hofft, die zu befürchtenden Nachteile übertreffen, wobei die Entscheidung ebenfalls nur auf Vermutungen beruht, und nicht auf dem, was tatsächlich der Fall sein wird, weil man es ja erst im Nachhinein wissen kann, ob die Rechnung mit der mutmaßlichen Zukunft aufgeht, oder nicht.

In einer Partnerschaft das reale, momentane Aufeinander-Angewiesensein zur Ausgangsbasis für die Zukunft zu machen, kann also nur für den Zeitraum vernünftig und damit auch richtig für Einen selber sein, wie man auf den Anderen auch tatsächlich angewiesen IST.

Darauf zu hoffen, dass der Partner lediglich aufgrund einer vermuteten Abhängigkeit von Einem selber seine Versprechen auch dann einhält, wenn er gar nicht mehr auf Einen angewiesen ist, ist also unvernünftig (irrational).

Ebenso unvernünftig ist es, die Hoffnung zu pflegen, dass ihn deshalb zum Ausgleich ein schlimmes Schicksal ereilt, weil selbst mit einer Klage wegen Untreue vor Gericht nur ein ganz minimaler Schadensausgleich zu erlangen ist, und man den Untreuen anschließend unbehelligt seiner Wege ziehen lassen muss, um sich nicht selber noch strafbar zu machen.

Die Hoffnung auf allgemeine Besserung misslicher Umstände hingegen lohnt sich schon deshalb immer, weil erstens nicht Alles so heiß gegessen wird, wie es gekocht wurde, und zweitens auch meistens nicht Alles so schlimm kommt, wie man es vorher befürchtet hat.
Der Betrug um allgemein gültige Gewohnheitsrechte oder um speziell zugesicherte Nutzungsrechte, erfolgt umso sicherer, je mehr die Vorteile, welche der Betrüger dadurch zu erlangen hofft, die zu befürchtenden Nachteile übertreffen, wobei die Entscheidung ebenfalls nur auf Vermutungen beruht, und nicht auf dem, was tatsächlich der Fall sein wird, weil man es ja erst im Nachhinein wissen kann, ob die Rechnung mit der mutmaßlichen Zukunft aufgeht, oder nicht.

Was ist ein Gewohnheitsrecht?
Was ein Nutzungsrecht?

"In der Rechtsgemeinschaft gilt das als Gewohnheitsrecht, was in den alten Schriften als Gewohnheit und „Altes Herkommen“ geschrieben steht. Die lateinische Bezeichnung dafür lautet „Consuetudo“, im Französischen sagt man dazu „coutume“. In der französischsprachigen Schweiz ist der Ausdruck „Coutumes“ für das Gewohnheitsrecht verbreitet. Bevor man zur schriftlichen Rechtsprechung überging, wurde dieses Gewohnheitsrecht mündlich überliefert. Die „weisen Männer“ der Gemeinschaft verkündeten es auf dem Land- oder Gerichtstag. Ab dem 13. Jahrhundert zeichnete man diese Rechtssprüche schriftlich auf, wobei die archaischen Formeln oftmals schwer verständlich waren. Spätestens ab der Modernisierung des Rechts ab dem 16. Jahrhundert durch die Anpassung an das römisch-gemeine Recht spielte das Gewohnheitsrecht kaum noch eine Rolle. Das Stadtrecht gewann immer mehr an Bedeutung. Später entdeckte man das Gewohnheitsrecht in der Schweiz als Rechtsquelle neben dem römisch-germanischen und kantonalen Recht wieder.
Generell kommt das Thema Gewohnheitsrecht häufig vor bei:

Grundstücken und Immobilien
Mietwohnungen
Arbeitsverträgen "



"Das Gewohnheitsrecht der Schweiz greift nur noch in wenigen Fällen. Eine der Voraussetzungen ist, dass es kein gegensätzliches Richterrecht geben darf. Das Gewohnheitsrecht tritt demnach nur dann in Kraft, wenn es kein anderslautendes Richterrecht gibt, das bereits diesen Gegenstand behandelt. Beim Wegerecht handelt es sich um die häufigste Form des Gewohnheitsrechtes. Aufgrund der besonderen Umstände des Geländes oder des Baus entstehen häufiger Situationen, bei denen ein schriftliches Gesetz zur Regelung fehlt. Nachbarn einigen sich dann mündlich oder halten die Regeln in einem Vertrag fest. Allerdings entsteht dadurch noch kein Wegerecht."

Beides aus:
https://www.anwaltvergleich.ch/ratgeber ... ntes/10617

Nun,
ein Kind kann noch keine Verträge schliessen, daher sieht es die an ihm verübten Gewohnheiten, (Miss) Handlungen als zu seinem Leben gehörend, erfährt jedoch das wohlwollende Verhalten durch Aussenstehende als ungewöhnlich.
So entsteht bei ihm der Eindruck es müsse sich weiterhin an dem was an ihm gewohnheitsmässig verübt wird orientieren.

Dem Abhängig-Gewordenen muss daher nur lange genug und nachhaltig eingeredet worden sein, dass er ohne seinen Herrn, der sich gnädigerweise um ihn kümmert, nicht überleben kann und so wird die gewohnheitsmässige Ausnutzung am Versklavten, - zB durch Vorenthaltung eines Lohnes der auch seiner Arbeitskraft und Arbeitszeit angemessen wäre - ein "gültiges", ganz eigenmächtig "normalisiertes" Nutzungsrecht des Ausbeuters und Betrügers.

Verbindlich und rechtmässig gibt es das Nutzungsrecht an einer Sache, jedoch nicht an Menschen, ausser man hat sich dies in Form eines Vertrages so zurechtgeschrieben.
Ein gewohnheitsbedingt angemaßtes Nutzungsrecht beruht auf der bisher freiwilligen Duldung des Eigentümers einer Sache, was vom dadurch begünstigten Nutznießer als stillschweigendes Einverständnis gewertet wird – nach dem Motto: „Was bislang nicht ausdrücklich untersagt wurde, ist so lange erlaubt, bis es verboten wird!“

Das trifft sogar legal zu, wenn eine Verfügung auf der Widerspruchsregelung beruht, nach der es als ein Einverständnis bewertet wird, wenn Jemand einer Verfügung nicht widerspricht, oder nachdem längere Zeit kein Interesse an der eigenen Nutzung und Pflege einer Sache gezeigt wurde, so dass sie nach Ablauf der Widerspruchsfrist wieder in den Besitz des Vorbesitzers übergeht.

Dass mit dem Besitzrecht einer Sache für dessen Eigentümer auch eine Fürsorgepflicht verbunden ist, scheint jedoch bei Immobilien oder Grundstücken eher vermittelbar zu sein, als bei anvertrauten Personen, die man zwar als Besitz betrachtet, sofern man Nutzungsrechte an ihnen genießt, aber bei denen man sich nicht mehr für zuständig hält, wenn es um die damit verbundene Fürsorgepflichten geht.

So gilt es zwar moralisch als ein Zeichen von Untreue, den Freund in der Not im Stich zu lassen - oder ihn gar selber in eine Not zu versetzen, indem man ihn für einen anderen verlässt - , aber noch nicht als Illoyalität, weil die Freundschaft keinen einklagbaren Status darstellt, welcher einer „moralisch verderbten“ Kulturgemeinschaft als gesetzlich schützenswert erscheint.

So bleibt nur die Überprüfung der bisherigen Vertrauenswürdigkeit bei der Wahl eines Freundes, mit dem man eine Partnerschaft eingeht, in der Einer auf den Anderen nicht nur auf seine Wohltaten angewiesen sondern auch für dessen Wohlergehen zuständig ist, um daraus auf seine Gesinnung und sein daraus resultierendes, zukünftiges Sozialverhalten zu schließen, bevor man sich durch den Freundeseid auf ewig (dh mit unbegrenzter Laufzeit) an ihn bindet, bzw. sich von ihm zur ewigen Freundschaft verpflichten lässt.
So gilt es zwar moralisch als ein Zeichen von Untreue, den Freund in der Not im Stich zu lassen - oder ihn gar selber in eine Not zu versetzen, indem man ihn für einen anderen verlässt - , aber noch nicht als Illoyalität, weil die Freundschaft keinen einklagbaren Status darstellt, welcher einer „moralisch verderbten“ Kulturgemeinschaft als gesetzlich schützenswert erscheint.

Für einen anderen Freund?
Und da haben wir doch schon das Dilemma, wer ist denn freundlicher, Jene die schon zum Inventar gehören oder neue, mögliche "Projektionsflächen"?
Der Weg zur Freundschaft ist ein Prozess der nie endet und entspricht längst nicht immer den gegenseitigen Erwartungen und Vorstellungen, ansonsten da was nicht stimmen kann.
Grundsätzlich jedem Mitmenschen in Freundlichkeit gegenüberzutreten ist eine Haltung, die sich dadurch auszeichnet, Jedem vorbehaltlos und ohne Argwohn zu begegnen, Gelegenheit geben es gleich zu tun,

Da mag nun eingewändet werden, dies sei naiv, blauäugig und dumm, doch erfüllt es auch den Tatbestand dass, so wie man in den Wald rufe, es meist auch zurückhallen werde.
Da wäre dann der Hoffende, der sich nicht entmutigen lässt, der immer wieder seinem Nächsten vorbehaltlos zu begegnen bereit ist, selbst dann, wenn sich das Hoffen auf Freundschaft ab und zu nicht erfüllt oder sogar in Feindschaft verkehrt.
Niemand zwingt uns freundlich oder unfreundlich zu sein.

Jede/r hat wohl seine Gründe viele (un)beständige, Freunde um sich zu „sammeln“, oder seine Zeit wohldosiert mit Jenen zu verbringen, die wert-geschätzt sind und, nicht zu vergessen, von welchen man selbst auch wertgeschätzt wird.
Es kann nur gedeihen, wachsen und sich entwickeln, wo auch die ent-sprechend benötigten Bedingungen geschaffen sind, alles Andere ist Illusion.
Der begrifflich etwas korrigierte Spruch: „Marmorstein und Eisen bricht, aber unsere Freundschaft nicht!“ beruht auf der Zusage, dem Freund niemals mutwillig die Bereitschaft zum Wohlwollen aufzukündigen, was die ihm entgegengebrachte Freundlichkeit ausmacht, mit der man für den Freund liebenswert wird.

Dementsprechend heißt die Liebesbeziehung zwischen Zweien, die einander lieben, weil sie sich gregenseitig auf unbefristete Zeit wohlgesonnen sind, auch Freundschaft, während Diejenigen, die einander lieben, weil sie sich besonders gerne treffen, um zusammen Tennis zu spielen, eine Tennisfreundschaft miteinander verbindet, welche dann, wenn es sich dabei lediglich um eine reine zeitlich begrenzte Nutzgemeinschaft ohne besonderes Wohlwollen handelt, als gemeinsame Tennispartnerschaft bezeichnet wird.

Da die „Partnerschaft des gegenseitigen Wohlwollens“ namens "Freundschaft" jedoch auch ohne eine gemeinsam betriebene Tätigkeit aufrecht erhalten werden kann, tendiert der untreue Vertragsbrecher, der sich nicht an den Partnerschaftsvertrag halten mag, obwohl er es seinem Partner zugesagt hat, gerne zu der Vorstellung, er habe dennoch ein moralisches Recht auf das Wohlwollen seines Freundes, den er mit der eigenmächtigen Auflösung der Partnerschaft in eigennütziger Absicht geschädigt hat.

Dass hier das Wohlwollen selbst des besten Freundes ein Ende hat, liegt daran, dass es das nur auf Gegenseitigkeit gibt, und dazu gehört es sich einfach nicht, seinem Freund einseitig das Wohlwollen zu entziehen, indem man es stattdessen einem Anderen schenkt, von dem man sich einen höheren Nutzen erhofft.

Etwas Anderes hingegen wäre es, wenn man eine zeitlich begrenzte Partnerschaft im gegenseitigen Einverständnis vorzeitig beendet – so wie es vielleicht auch vertraglich schon vorher vereinbart wurde, sodass man sich auch weiterhin wohlgesonnen bleiben kann.

Was nun das Hoffen betrifft, dass sich ein tugendhafter Freund auch an die Freundespflicht, seinen Freund nicht untreu zu werden, hält, indem er ihn für einen anderen Freund verlässt, so setzt das ein Vertrauen in eine moralisch positive Einstellung voraus, deren Vorhandensein zumindest zu Beginn der Freundschaft erst einmal überprüft werden sollte - nach dem Motto: "Trau - aber schau wem!", um nicht eines Tages sein blaues Wunder zu erleben, wenn es dann doch anders aus dem Wald herausschallt, als man es erwartet hat.

Die Freundespflicht zur Leidensbereitschaftlichkeit durch das Gewähren von Toleranz, welche notfalls auch über die eigene Schmerzgrenze hinaus reicht, mag nämlich zwar für alle möglichen Engpässe gelten, in denen der Andere vielleicht mal nicht so kann, wie er will, aber nicht für das zugesagte Wohlwollen selber, welches ja die Grundbedingung für Freundschaft überhaupt darstellt.

Die Hoffnung jedoch, dass aus einem schlechten Partner, der die Partnerschaft zum eigenen Vorteil ausnutzt, indem er vorsätzlich weniger gibt, als wie er dafür im Namen einer über die Partnerschaft hinausgehenden Freundschaft verlangt, doch irgendwann ein Freund wird, beruht auf einer schlechten Selbsttäuschung, die jederzeit enttäuscht werden kann.

Vertrauensseligkeit, die man auch Naivität nennt, ist also vernünftigerweise nur da angebracht, wo bei dem Feund, dem man sich anvertraut, auch die Vertrauenswürde da ist, um einem Betrug um das Recht auf Einhaltung der damit verbundenen Versprechen nicht noch selber Vorschub zu leisten.

Dass sich zB die eigenen Lebensumstände eines Tages wieder bessern, kann man hingegen ganz getrost hoffen, solange man keinen konkreten Zeitpunkt dafür festlegt, denn bekanntlich ist nichts so beständig, wie der Wandel, sodass dafür auch kein besonderer Realitätssinn oder eine besondere stoische Leidensbereitschaft, die über das reine Hoffen hinaus geht, erforderlich ist, um die aktuelle, missliche Lage besser zu überstehen.
Dass sich zB die eigenen Lebensumstände eines Tages wieder bessern, kann man hingegen ganz getrost hoffen, solange man keinen konkreten Zeitpunkt dafür festlegt, denn bekanntlich ist nichts so beständig, wie der Wandel, sodass dafür auch kein besonderer Realitätssinn oder eine besondere stoische Leidensbereitschaft, die über das reine Hoffen hinaus geht, erforderlich ist, um die aktuelle, missliche Lage besser zu überstehen. 

Sinnvoller als das "endlose" Hoffen scheint mir die "Rückschau"/ Rückbesinnung auf das  e i g e n e  Handeln und Unterlassen zu sein, welches schlussendlich in eine unbequeme oder gar leidvolle Lage ​ge​führ​t hat​.
Wenn Seneca an seinen Freund Lucilius schreibt:
"Im Leben gibt es nur einen einzigen festen Wert: Vertrauen zu sich selbst", dann passiert dies aber kaum von selbst, es muss wieder und wieder die eigene Sicht auf die Dinge in Frage gestellt und analysiert werden um mit dem Wandel Schritt zu halten​​​ ​und​ um sich seiner Handlungen und Verweigerungen tatsächlich bewusst zu werden.
Das hiesse dann gedanklich in Revision und wenn nötig in Renovation zu gehen. 
Das Hoffen basiert auf einer Vorstellung von der nicht abgerückt werden will, ​sich daher dem Wandel der Dinge entgegenstellt.
….Sinnvoller als das "endlose" Hoffen scheint mir die "Rückschau"/ Rückbesinnung auf das e i g e n e Handeln und Unterlassen zu sein, welches schlussendlich in eine unbequeme oder gar leidvolle Lage geführt hat. …..

Genau wie die eigenen Erfolge, so sind auch die eigenen Misserfolge niemals ganz durch eigenes Handeln oder Unterlassen verursacht worden, sondern es haben entweder Andere daran mitgewirkt oder aber es waren unglückliche Umstände mit daran beteiligt.

So sind besonders Narzissten der Auffassung, dass nicht nur die eigenen Erfolge alle auf ihr eigenes Konto gingen, sondern auch die Misserfolge, für die sie meinen, alleine verantwortlich zu sein, weil es nicht mit ihrem überhöhten Selbstbild vereinbar ist, zuzugeben, dass sie doch nicht so allmächtig geworden sind, wie ihre Eltern es von ihnen erwartet haben, um sie als liebenswert bezeichnen zu können.

Das führt dann schließlich entweder zum weit verbreiteten Gotteswahn, bei dem man meint, man stünde unter dem Schutz eines allmächtigen Geistwesens, oder zu einer Persönlichkeitsspaltung (bzw. einer Dissoziation des Selbstbildes als einer einzigen Person), bei der man sich für seinen eigenen Gott hält, sodass es vollauf genüge, sich in seiner eingebildeten Großartigkeit selber zu lieben, nachdem man scheinbar für niemand Anderen liebenswert ist.

….Wenn Seneca an seinen Freund Lucilius schreibt:
"Im Leben gibt es nur einen einzigen festen Wert: Vertrauen zu sich selbst", dann passiert dies aber kaum von selbst ….


So ähnlich, wie bei der „Selbstliebe“, verhält es sich auch mit dem „Selbstvertrauen“, bei dem man die Illusion hegt, man könne nur noch sich selber gegenüber treu und verlässlich sein, was das Einhalten eines Versprechens betrifft, welches man sich angeblich selber gegeben hat, nachdem man den Vertrauensunwürdigen, die ihre Versprechen nicht eingehalten haben, Nichts mehr anvertrauen mag, um nicht noch einmal in der falschen Hoffnung darauf, dass sie doch vertrauenswürdig sein mögen, enttäuscht zu werden.

…. es muss wieder und wieder die eigene Sicht auf die Dinge in Frage gestellt und analysiert werden um mit dem Wandel Schritt zu halten und um sich seiner Handlungen und Verweigerungen tatsächlich bewusst zu werden. Das hiesse dann gedanklich in Revision und wenn nötig in Renovation zu gehen. …..

Die solipsistische Rückbesinnung auf sich selbst, mit der man sich von fremder Hilfe unabhängig zu wähnen versucht, ist die beste Basis für Größenwahn, welcher nur solange funktioniert, wie man seine eigenes, leider begrenztes Vermögen und damit auch partielles Unvermögen beharrlich ignoriert, um sein falsches, überhöhtes Selbstbild vor der Entzauberung durch das Anerkennen der Realität, die möglicherweise doch nicht so großartig ist, wie erhofft, sondern eher so durchschnittlich oder gar erbärmlich ist, wie man es befürchtet hat, zu schützen.

Ob man nun jedoch wider besseren Wissens falsche Hoffnungen in Bezug auf das eigene Vermögen oder auf das von Anderen hegt, oder ob man ganz allgemein auf einen positiven Verlauf der Dinge hofft, ändert das am Wert des Hoffens selber nichts, denn selbst wenn die Illusion sich als solche herausstellt, kann man ja dennoch weiter hoffen, dass das bei diesem einen Mal bleibt, und man das nächste Mal nicht wieder enttäuscht wird.

….Das Hoffen basiert auf einer Vorstellung von der nicht abgerückt werden will, sich daher dem Wandel der Dinge entgegenstellt. ….

Das unbeirrbare (stoische) Hoffen auf Veränderung schlechter Lebensbedingungen hin zum Besseren, oder darauf, dass die guten Lebensbedingungen sich nicht ändern mögen, wird ja von den Christen fälschlicherweise als „Glauben“ (anstatt des gnostischen "Erkennens") bezeichnet, wobei auch das eines Glaubwürdigen bedarf, der die Wahrheit sagt, anstatt Einen zu belügen.

Aber auch die Vergewisserung, dass Jemand bislang immer glaubwürdig war, verhindert nicht die Enttäuschung darüber, dass er das nächste Mal dennoch gelogen hat, obwohl er geschworen hatte, die Wahrheit zu sagen.

Dann bleibt Einem nur die irrationale Hoffnung, dass es sich dieses Mal dennoch um einen glaubwürdigen Zeugen handeln möge, dem man ungeprüft glauben kann, was er sagt, weil man sonst keinen anderen hat, sodass man ihm notgedrungen glauben muss, wenn man nicht im Ungewissen bleiben will.
So ähnlich, wie bei der „Selbstliebe“, verhält es sich auch mit dem „Selbstvertrauen“, bei dem man die Illusion hegt, man könne nur noch sich selber gegenüber treu und verlässlich sein, was das Einhalten eines Versprechens betrifft, welches man sich angeblich selber gegeben hat, nachdem man den Vertrauensunwürdigen, die ihre Versprechen nicht eingehalten haben, Nichts mehr anvertrauen mag, um nicht noch einmal in der falschen Hoffnung darauf, dass sie doch vertrauenswürdig sein mögen, enttäuscht zu werden.

Es geht beim Ausdruck "Selbstliebe" auch um das Gegenteil, was eben auch existiert, nämlich den "Selbsthass" der ziemlich eng mit dem Zweifel an sich einhergeht.
Menschen die ihr eigenes Sosein nicht annehmen können und ihr Tun permanent in Frage stellen leben in einem Dauerkrieg mit sich und ja, es haben auch Andere an diesem Zustand mitgewirkt.
Der "Selbsthassende" muss mühsam lernen seinen Körper zu mögen, muss erfahren, dass es Möglichkeiten zur Selbstannahme seiner Wesensart, also auch ein Selbstverständnis für seine Handlungen und Unterlassungen gibt.
Kein leichtes Unterfangen wenn wir bedenken, wie wenig Mitmenschen es in der Gegenwart eines sich scheinbar selbst zerfleischenden und in seinem Selbstvertrauen tief erschütterten Menschen lange aushalten.
Eine Herausforderung für alle sogenannt "Unversehrten" denen bei der Begegnung dieses Menschentypen die Gelegenheit geboten ist, durch ihr eigenes Wohlverhalten und ohne jovialen Gebarens ihm gegenüber, das Vertrauen zu Anderen zu stärken.

Die solipsistische Rückbesinnung auf sich selbst, mit der man sich von fremder Hilfe unabhängig zu wähnen versucht, ist die beste Basis für Größenwahn, welcher nur solange funktioniert, wie man seine eigenes, leider begrenztes Vermögen und damit auch partielles Unvermögen beharrlich ignoriert, um sein falsches, überhöhtes Selbstbild vor der Entzauberung durch das Anerkennen der Realität, die möglicherweise doch nicht so großartig ist, wie erhofft, sondern eher so durchschnittlich oder gar erbärmlich ist, wie man es befürchtet hat, zu schützen.

Geht es nicht vor allem darum immer erst mal vor seiner Haustür zu kehren, bevor man meint dies bei Anderen tun zu müssen? Ich nenne dies „Heimkehr“, ich meine es scheint viel leichter und problemloser zu sein von seinem eigenen Unrat abzulenken, als den Balken bei sich aus dem Auge zu entfernen.
Dass keiner, nicht einer, von Anflügen des Grössenwahns gefeit ist, scheint mir, in dieser unserer Gegenwart, nur eine logische Konsequenz, in Anbetracht des überbordenden geistigen und physischen Mülls der uns umgibt, zu sein.

Zweifelsohne ist das menschliche Wesen auf ein Miteinander angewiesen, was aber nicht heisst, dass man sich u. U. nicht auch von Anderen abgrenzen soll oder dies sogar auch MUSS.

Was die Hilfe untereinander betrifft, gibt es da ein breites Spektrum von echter sowie vorgetäuschter Hilfsbedürftigkeit und der Bereitschaft Hilfe annehmen zu KÖNNEN.
… Es geht beim Ausdruck "Selbstliebe" auch um das Gegenteil, was eben auch existiert, nämlich den "Selbsthass" der ziemlich eng mit dem Zweifel an sich einhergeht.
Menschen die ihr eigenes Sosein nicht annehmen können und ihr Tun permanent in Frage stellen leben in einem Dauerkrieg mit sich und ja, es haben auch Andere an diesem Zustand mitgewirkt. . Der "Selbsthassende" muss mühsam lernen seinen Körper zu mögen, muss erfahren, dass es Möglichkeiten zur Selbstannahme seiner Wesensart, also auch ein Selbstverständnis für seine Handlungen und Unterlassungen gibt. …..


Genau genommen, liebt oder hasst sich ein Mensch nicht selbst, sondern nur das, was ihm an sich gefällt oder nicht gefällt.

Das kann seinen eigenen Besitz betreffen oder sogar die Teile, aus denen er selbst besteht, wie seinen Körper, seinen Charakter (Wesensart oder Seele) oder sein Denkvermögen (Geist), aber auch eine Lebenssituation, zu der auch andere Menschen gehören, oder seine Vergangenheit, die ebenfalls ein unveränderlicher Teil von ihm selber darstellt, den er überallhin mitnimmt.

Da das Lieben und das Hassen jedoch unwillkürlich erfolgen, nachdem man sich dessen bewusst geworden ist, was man da spontan als positiv oder negativ bewertet hat, muss man beim christlichen „Lieben“ - womit wohl eher das „positive Denken“ gemeint ist, als die „Nächstenfürsorge“ - schon vorher beginnen, indem man versucht, an allem Schlechten zumindest noch ein klein wenig Gutes zu finden, indem man zB sagt: „Es war nicht Alles schlecht!“

Für eine ausgewogene Bewertung seines vergangenen Lebens wäre das sogar noch realistischer, als Alles in Bausch und Bogen zu verteufeln oder in den Himmel zu loben, oder aber Alles gleichzumachen, sodass gar keine Beurteilung mehr möglich ist.

Was nun die Zukunft betrifft, kann man diese noch nicht lieben, weil sie noch nicht da ist, sondern nur die gute Hoffnung darauf, dass sie besser werden möge, als es die schlechtere Vergangenheit war, oder zumindest nicht noch schlechter.

….Kein leichtes Unterfangen wenn wir bedenken, wie wenig Mitmenschen es in der Gegenwart eines sich scheinbar selbst zerfleischenden und in seinem Selbstvertrauen tief erschütterten Menschen lange aushalten. ….

Das Unangenehme an dem Ertragen einer Person, die sich ständig über ihr Schicksal beklagt, ist für Andere ja nicht deren Schicksal, sondern lediglich ihr ständiges Jammern, anstatt sich zusammenzureißen, um zumindest die Nerven ihrer Mitmenschen zu schonen, wenn sie schon sonst nichts Konstruktives zustande bringt.

Statt sich jedoch sich selber, dem Universum oder der Zukunft zu vertrauen, was ja gar nicht geht, sollte man sich besser vertrauenswürdigen Personen anvertrauen, nachdem man sich vorher von ihrer Vertrauenswürdigkeit vergewissert hat, damit die Einem bei dem weiterhelfen, wozu man selber nicht mehr in der Lage ist.

Wurde man jedoch von Jemandem persönlich um sein vorher zugesichert bekommenes Recht auf Geheimhaltung betrogen, indem er zB ein ihm anvertrautes Geheimnis dennoch verraten hat, oder aber ist sein Leumund nicht der Beste, sodass er von vornherein nicht vertrauenswürdig erscheint, weil man damit rechnen muss, dass er auch weiterhin seine Partner um ihre Rechte betrügt, könnte man dem bisher Unglaubwürdigen dennoch Glauben schenken, bzw. dem bisher Vertrauensunwürdigen dennoch Etwas anvertrauen – in der positiven Erwartung namens „Hoffnung“ (und nicht „Glaube“), dass er sich inzwischen gebessert hat.

...Eine Herausforderung für alle sogenannt "Unversehrten" denen bei der Begegnung dieses Menschentypen die Gelegenheit geboten ist, durch ihr eigenes Wohlverhalten und ohne jovialen Gebarens ihm gegenüber, das Vertrauen zu Anderen zu stärken. ….

Die gewissenhafte Pflichterfüllung in Sachen „Nächstenfürsorge auch für Unwürdige“ wäre in der Tat ein Motiv zur sinnvollen Lebensgestaltung, welches nicht nur - wie Glaube, Liebe und Hoffnung - Einem selber nutzt, sondern auch der sozialen Gemeinschaft, deren Wohlwollen man sich durch sittlich wertvolle Taten für Bedürftige langfristig sichert, damit die sich nicht drum kümmern muss.

Zum Dank dafür kann man auch ein Gegenleistung von der Gemeinschaft erwarten, falls mal selber darauf angewiesen ist, anstatt sie von denen zu erwarten, die gar nicht dazu in der Lage sind, sodass man ihnen ihre Dankesschuld wohl oder übel erlassen muss.

So ist für eine Übeltat immer ein Übeltäter und ein geschädigtes Opfer vonnöten, und für eine Wohltat immer ein Wohltäter und ein Nutznießer.

….Geht es nicht vor allem darum immer erst mal vor seiner Haustür zu kehren, bevor man meint dies bei Anderen tun zu müssen? Ich nenne dies „Heimkehr“, ich meine es scheint viel leichter und problemloser zu sein von seinem eigenen Unrat abzulenken, als den Balken bei sich aus dem Auge zu entfernen. ….

Man kann sich auch prima von seinen eigenen Problemen ablenken, indem man sich um die Probleme Anderer kümmert, und die eigenen wiederum von Anderen lösen lassen, was einfach nur einer vernünftigen Aufgabenteilung entspricht, weil ja nicht Jeder Alles gleich gut kann.

…..Dass keiner, nicht einer, von Anflügen des Grössenwahns gefeit ist, scheint mir, in dieser unserer Gegenwart, nur eine logische Konsequenz, in Anbetracht des überbordenden geistigen und physischen Mülls der uns umgibt, zu sein.....

Ich denke nicht, dass Jemand, dem man von Kind auf klar gemacht hat, dass er nichts Besonderes sei, sondern nur Einer von vielen Anderen - was ja noch keine Ausgrenzung aus der Gemeinschaft bedeutet - , das Bedürfnis hat, Andere zu überflügeln, weil es für ihn diesen Wert mit dem dazugehörigen Minderwertigkeitskomplex, bei dem man sich eigentlich für mehrwertig hält, gar nicht gibt.

In einer echten sozialen Gesellschaft wäre dementsprechend der Größenwahn eher negativ konnotiert, wenn er auf Kosten der Gemeinschaft geht, während rücksichtsvolles Sozialverhalten dazu beitrüge, sich auf redliche Weise das Wohlwollen der Gemeinschaft und auch die Anerkennung als ein nützliches Mitglied derselben zu sichern.

….Zweifelsohne ist das menschliche Wesen auf ein Miteinander angewiesen, was aber nicht heisst, dass man sich u. U. nicht auch von Anderen abgrenzen soll oder dies sogar auch MUSS. ….

Die Abgrenzung gegen Schädlinge der Gemeinschaft erfolgt ja natürlicherweise bereits von Seiten der Gemeinschaft selber, indem sie von ihr ausgestoßen werden. Die Frage nach der Toleranz, die sie dabei gewährt, muss daher von ihr, bzw. von ihren Anführern beantwortet werden, die auch die Machtbefugnis haben, das im Namen der Gemeinschaft zu entscheiden.

In der patriarchialen Kleinfamilie wurde es bisher vom Vater entschieden, ob der renitente Sohn in ein Internat und die Tochter in ein Kloster gesteckt wurde, oder ob in dem Moment, wo er für sich selber sorgen konnte und sie standesgemäß verheiratet war, die Tür zu seinem Haus für sie endgültig geschlossen wurde.

Die Geschichte vom verlorenen Sohn, der in Freuden wieder aufgenommen wurde, handelte ja nicht von einem Rausschmiss, sondern von einem freiwilligen Weggang seinerseits, sodass man hier bestenfalls von einer Umkehrung der Schuldverhältnisse im Sinne einer Pflichtversäumnis sprechen kann, wenn der Sohn seinen Vater in einer heiklen Situation im Stich gelassen hat, wofür Ersterer ihm eine Schadensausgleich schuldet, um seiner Gunst wieder teilhaftig zu werden.

...Was die Hilfe untereinander betrifft, gibt es da ein breites Spektrum von echter sowie vorgetäuschter Hilfsbedürftigkeit und der Bereitschaft Hilfe annehmen zu KÖNNEN. ...

In der Tat wird die aufgezwungene Hilfeleistung mit gutem Grund abgelehnt, wenn damit unabsehbare Dankespflichten verbunden sind, weswegen auch nur diejenigen Geschenke die gegenseitige Freundschaft erhalten, die auch für Beide gleichermaßen bezahlbar sind, und nicht die, mit denen man sich einseitig zur ewigen Dankbarkeit verpflichtet, die man dem Anderen auch noch schuldig bleiben muss.

Ein echter, asozialer Parasit hingegen hat diese Bedenken nicht, weil es ihm bei der Ausbeutung seiner Partner nur um eine vorgetäuschte Freundschaft geht, die er nur solange zum Scheine aufrecht zu erhalten braucht, bis die Täuschung offensichtlich wird, und der vorsätzlich um den Dank für seine Leistungen Betrogene von sich aus die Reißleine zieht.

Nun noch einmal eine Überlegung zum scheinbaren Gegenteil des „HOFFENS“, welches in der „VER-ZWEIFLUNG“ durch übermäßiges „BE-ZWEIFELN“ besteht:

An der „Richtigkeit“ einer Aussage zu „zweifeln“, bedeutet, davon auszugehen, dass sie nicht (mit der Realität übein-)stimmt.

Ob das bei einer „Hoffnung“ der Fall ist, die sich auf eine „positive Vorstellung von der Zukunft“ bezieht, kann man erst dann sagen, wenn die Zukunft zur Gegenwart bzw zur bewertbaren Vergangenheit geworden ist.

Insofern ist das Gegenteil von „Hoffen“ (auf eine bessere Zukunft) nicht das „Zweifeln“ (an der Richtigkeit des Hoffens), sondern das „Befürchten“ (einer noch schlechteren Zukunft, als es die Gegenwart ist).

Das Gegenteil des „Zweifelns“ ist auch nicht das „Glauben“, sondern das „Vermuten“ (dh, den Mut aufbringen, seine eigene Meinung für richtig zu halten), wobei das „Glauben“ in der „Vermutung“ besteht, ein glaubwürdiger Zeuge sage die „Wahrheit“, was auch dann der Fall sein kann, wenn das, was er vermutet, gesehen oder gelernt zu haben, nicht mit der Realität übereinstimmt.

Beim „(An-)Vertrauen“ hingegen geht man von der „Hoffnung“ aus, dass der Betreffende sich des „Vertrauens als würdig“ erweist und tatsächlich „treu“ ist, indem er seine Macht nicht zum Nachteil seines Anvertrauten missbraucht.

Das „Bezweifeln“ der „Vertrauenswürdigkeit“ einer Person drückt sich also darin aus, dass man ihr misstraut, und ihr daher auch nichts Wertvolles zu treuen Händen überlässt, sofern man eine bessere Alternative hat.

In dem Falle jedoch, dass man Jemandem auf Gedeih oder Verderb ausgeliefert ist, bleibt Einem gar nichts Anderes übrig, als das Beste zu hoffen, anstatt ihm wider besseren Wissens dennoch zu vertrauen, obwohl man überhaupt keine Wahlmöglichkeit dazu hat.
In einer echten sozialen Gesellschaft wäre dementsprechend der Größenwahn eher negativ konnotiert, wenn er auf Kosten der Gemeinschaft geht, während rücksichtsvolles Sozialverhalten dazu beitrüge, sich auf redliche Weise das Wohlwollen der Gemeinschaft und auch die Anerkennung als ein nützliches Mitglied derselben zu sichern.

Da der Grössenwahn eigentlich nicht beabsichtigt ist und von einem Menschen alleine nicht ohne Unterstützung seiner Ideenwelt durch Andere aufrecht behalten werden kann, muss man sich doch schon fragen wie es soweit kommen kann, dass man den Heimgesuchten lauscht, scheinbar ahnungslos bezüglich solcher Erkrankungen des Menschen bleibt, und ihnen ja daher auch meint bis zum Mitmarschieren folgen zu müssen.
Ist da bei Jenen nicht eine Verbindung zum Wahn oder zumindest die Prädestination vorhanden, selber daran zu erkranken?
Wenn dem so wäre, sollte dringendst die Frage gestellt werden, weshalb im menschlichen Körper eine solche Veränderung stattfinden kann, die meist am Betroffenen als Genialität an Stelle einer Erkrankung gesehen wird.
Es stimmt traurig, dass auch hier nicht die Verursachung der Erkrankung erkannt, sondern bloss Denjenigen bei dem die Krankheit in der Folge ausbricht, und nach dem verursachten Unheil, als alleiniger Übeltäter gesehen werden will.

Aus: https://medlexi.de/Gr%C3%B6%C3%9Fenwahn

In schwerwiegenderen Fällen kann der Größenwahnsinnige aufgrund seines Wahns in allerlei Situationen geraten, die ihn und andere in Gefahr bringen. Genannt seien hier zum Beispiel Situationen, in denen sich der Erkrankte als Führerfigur darstellt und versucht, fremde Menschen von sich zu überzeugen. Gleiches gilt für das ungebetene Predigen oder sonstige Verkündungen von Botschaften.
Während allerdings in diesen Fällen die rein verbale Ebene selten verlassen wird, bedeuten ein Heilswahn oder ein Omnipotenzwahn ein Risiko *für gänzlich absurde Handlungen.

(*Wohl eher für dort mithineingezogene Menschen)

Der Größenwahn lässt sich in seiner Entstehung am ehesten wie eine Manie erklären. So gelten aber auch hier viele Auslöser als ungeklärt.
Fest steht nur, dass Manien aller Art häufig mit Depressionen (und einem entsprechenden Ungleichgewicht im Hormonhaushalt) vergesellschaftet sind.


https://www.icon-h2o.com/hormone-im-tri ... -und-tier/

und aus:

https://www.hannaharendt.net/index.php/ ... ew/111/188

In Arendts Drängen auf Unterscheidung steckt die Warnung vor „Verflüssigungen“, die Grenzen zwischen Natur und Politischem wegschwemmen. Unterscheiden ist eine Form des Maßhaltens, ein Haltmachen, Anhalten, eine Art Stop. Arendt war viel stärker um Grenzen durch Politik besorgt, als gemeinhin angenommen wird. Sie setzt auf stabile Verfassungen, die die Autorität haben, zu überdauern und zugleich das Anfangen zukünftiger Generationen schützen, auf den humanen Wert des Grenzen-einhaltens durch Gesetze, die die Menschen selbst machen, auf Gesetzesherrschaft als Selbstbeherrschung58, und auf die Heilkraft des menschlichen Handelns, das jedes unbegrenzte Weiter-so unterbrechen kann, weil es immer noch andere als Gegenüber hat und durch die Macht [i]der Pluralität begrenzt ist - ein Windschutz gegen den totalitären Hurrikan59. Gegen diese Betonung von Grenzen regt sich oft ein reflexartiger Widerstand. Verlockender für meine Generation waren sicher zunächst jene animierenden Grenzüberschreitungen, wie sie am Anfang politischer Bewegungen stehen. Dabei können wird uns zugleich erinnern an die eigene Rebellion gegen das, was wir mal patriarchalen Allmachtswahn nannten, an die Forderungen nach Grenzen des Wachstums, der Forschung, nach Begrenzungen kapitalistischer und ökologischer Zerstörungen, nach dem „Verhängniszusammenhang des Fortschritts“.
„Insofern das Denken immer ... dialogisch ist, ist es per definitionem Zweifeln. Der Zweifel hat die Zwei, die beiden Möglichkeiten dauernd in der Unterschiedenheit und Unentschiedenheit festzuhalten; zwischen ihnen geht der Dialog hin und her, bis aus ihm ... der Funke des Gedankens herausspringt“[
/i]60.