Ich habe vor kurzem eine Veranstaltung zum Thema "Biografie-Arbeit" mitgemacht. Eine Übung daraus - so schlicht sie war - hat doch wieder Einiges mehr ins Bewusstsein gebracht, was man "eigentlich" ja weiß...

Es ging darum, die Metapher "Baum" auf sich anzuwenden und sich folgende Fragen zu stellen:
1.) Was sind meine WURZELN? (Wer oder was hat mich verwurzelt, mir Halt gegeben, mich genährt)?
2.) Was macht mich stark wie ein STAMM?
3.) Welche BLÜTEN treibt mein Baum gerade, was bricht auf?
4.) Welche FRÜCHTE will ich tragen, was will ich weitergeben?

Folgendes habe ich persönlich gefunden (grob zusammengefasst):
zu 1.): Meine Wurzeln, die mich in den letzten Jahren wieder zunehmend nähren sind meine Heimat und vor allem meine große Herkunftsfamilie. Ich glaube, das hätte ich vor 20 Jahren noch nicht so intensiv empfunden.

zu 2.) "Stark wie ein Stamm" - das bin ich eigentlich nicht. Ich sehe mich vielmehr als "Stämmchen", das die Fähigkeit hat, sich unter den Lebensstürmen zu beugen und sich hernach wieder aufzurichten. Dafür bin ich sehr dankbar - dass Zuversicht und auch ein grundsätzliches "Vertrauen ins Leben" immer wieder die Oberhand behalten. Zur Frage, was diese Fähigkeit entstehen hat lassen, ist mir ganz spontan und als erstes eingefallen: Die "harte Schule" meiner Kindheit und Jugend. Das ist eigentlich keine "schöne" Antwort, und trotzdem stimmt sie (auch). Aber auch das Vorbild meiner Eltern, die sich so tapfer und unverdrossen durch ihr nicht einfaches Leben gearbeitet haben (und das im wörtlichen Sinn) ist mir in sehr wirksam geworden.

zu 3.) Die Blüten können bei mir wechseln - jedenfalls mittelfristig. Grundsätzlich ist es aber meine Familie, und derzeit sehr auch meine Arbeit.

4.) Die Früchte, die ich tragen will sollten mich selber, aber auch andere nähren und erfreuen. Eine Frucht, die ich gern weitergeben würde ist die schon angesprochene Zuversicht, die es einem ermöglicht, immer wieder neu anzufangen. Speziell meine Kinder möchte ich in jeder Hinsicht ermutigen und unterstützen in ihren beruflichen Plänen - weil ich aus eigener Erfahrung weiß, dass man mit der "zweitbesten Möglichkeit" nicht glücklich wird, wenn es eine "erstbeste" gegeben hätte, die man aber in der Jugend aus verschiedenen Gründen nicht verwirklichen konnte.
Ich glaube aber, dass man aktiv gar nicht so viele "Früchte" weitergeben kann, weil doch jeder selber diesen Lebensprozess durchlaufen muss, an deren Ende dann eben die Ernte steht. Meine Eltern hätte mir auch schon vor vierzig Jahren Manches sagen können, worauf ich selber nun auch gestoßen bin; aber damals hätte ich es weit von mir gewiesen. Vielleicht sollte man nicht in erster Linie auf das Weitergeben der Früchte schauen sondern vielmehr darauf, welche Früchte ich selber eigentlich ernte. Aber da bin ich noch nicht "fertig" mit diesen Überlegungen.

Vielleicht mag der Eine oder Andere sich ja auch mit dieser Baum-Metapher auseinandersetzen und hier seine Gedanken mit-teilen, das fände ich schön. Falls nicht, so war das hier mein "Wort zum Sonntag"... :D
Ich denke an die Blätter,als Vergleich.Frühling.
Die Kindheit,aus zarten Blättern sowie Farben,umhüllt vom weichen Ästen.Der Sommer,
ähnlich der gelebten Jahre.Kräftig stark,Sturm und Regen trotzend,sich biegen,doch
die Blätter haben Halt,nichts kann sie entfernen.Der Herbst,auch des Lebens.
Die Farben beginnen zu leuchten,die ganze Kraft,wird gelebt,um den Winter zu
trotzen.Doch nun beginnt Erkennen,frei werden vom Stamm,sich noch erinnern,
an den Halt,doch die Wege,gehören dem Wind.Der Winter,gelebtes,verliert an
Kraft,doch nun wird es weiß und weise.Zurückziehen,in die Wurzeln,oder dem
Selbst,hoffen auf Anfang oder Ende. 
ich fühle mich manchmal alt wie ein baum !


https://www.youtube.com/watch?v=lpipcap1R40
Und was sagt der entwurzelte Baum? :?
Der entwurzelte Baum,erkennt,dass es Zeit ist zur Transformation.Sowie für unser Leben.
Er hat alles erlebt,,in den Himmel geschaut,den Vögeln Unterschlupf gewährt,sowie
Kühle verbreitet,an heißen Tagen. Nun teilt er sich für Feuer,sowie Wärme,oder Anderes.
Auch der Mensch erkennt die Zeit,des Zurücklassens,Gaben bleiben vorhanden,die
weiter gereicht werden.Der Kreis schließt sich,bis die Umwandlung,von neuen beginnt. 
Von aussen betrachtet, bin ich wohl auch so ein Baum oder wie es ich manchmal formuliere - der Fels in der Familienbrandung. Und es gibt Tage, da fühle ich mich auch so, festgewurzelt in der Erde und meine Krone sehr weit oben und im Sonnenlicht.
Nicht umsonst mag ich den "Baum des Lebens" von Peter Maffay so. :)
Aber es gibt auch "andere" Tagesformen.
Da stehe ich nach wie vor aufrecht - entwurzeln wird mich wohl so schnell nichts - aber innen - vom Gefühl her - doch weniger stark.
Vielleicht - wie Bäume im Herbst oder Winter.
Ich wüsste gern die Meinung von Fagus hierzu. :wink:
Meine Wurzeln sind stark, sonst hätte der Baum die vielen Stürme nicht überstanden und dafür bin ich dankbar. Wenn die Wurzeln stimmen, treiben Stämme, die abknicken hernach um so kräftiger, das war bisher auch bei mir so. Nicht jeder Baum, der durch hübsche Blüten erfreut, bringt auch gute Frucht. Das blendende Locken ist nicht meine Sache. Ob die Früchte genießbar sind, müssen die entscheiden, die sie essen. Und wenn es zuletzt nur hieße: Er hat Schatten gespendet und vor Regen Schutz geboten. Das wäre doch auch etwas!
Ich habe auch starke Wurzeln,sie haben mir immer den nötigen Halt gegeben den mit den Unwettern des Lebens zu trotzen.Manchmal war ich kurz vor dem verdorren,aber meine Wurzeln hielten mich am Leben.Heute bin ich ein alter Baum eine Weide,ich stehe gelassen auf dem Platz, den das Leben mir zugedacht hat.Ich geniesse die Sonne und mag es wenn der Wind ganz zärtlich mit meinen Blättern spielt,auch Stürme sehe ich heute gelassener, da ich weiß das alles im Leben seine Zeit hat.
Ich liebe die Gesellschaft von anderen Bäumen.....aber auch die Stille,die mir hilft klarer zu sehen.

Wahrscheinlich habe ich das Thema verfehlt,aber die Vorstellung ein Baum zu sein ist schön.
Ich mag Bäume. Man fahre nur mal durch die herrlichen Alleen von Meck-Pomm.
Für mich sind sie wie lange grüne Kirchenschiffe. Möge es sie immer und immer geben. :oops: :D
Und auch zunehmend - Stille. Unvorstellbar, wie früher Saubermachen nur mit lauter Musik ging!? Alles ändert sich eben und man sich mit.
Ich habe heute morgen gelesen, dass zu glauben, flache Wurzeln könnten im Leben Sicherheit geben, eine Illusion ist. Also wär ich gern ein - Walnussbaum, der ja eine Pfahlwurzel bildet, die direktemang ganz tief geht? Oder doch lieber eine schöne alte Linde oder Ulme, ein grosser Apfelbaum alter Sorte auf einer Streuobstwiese oder ein Maronibaum in den besten Jahren, wenn ich dafür auch ins etwas Wärmere umziehen müsste, weil ich Esskastanien einfach ganz besonders finde.
Hauptsache - gesund, am richtigen Platz und mit Früchten seiner Natur entsprechend, wird er starke und tiefe Wurzeln haben. :)
Ich liebe Bäume , ich umarme sie und hole mir Kraft.
(siehe meine Galerie)

Wir fahren die größten und dicksten Bäume ab , um sie zu fotografieren.

http://www.monumentaltrees.com/de/rekorde/deu/

Hier sind sie !
Jawohl, für Etliche im meinem Umfeld bin ich ein Baum einer Eiche gleich.
Ein Baum mit kräftigem Stamm in der Erde tief verwurzelt.
Dass mir als Baum auch schon einige kräfitge Äste trotz guter Pflege abgestorben sind, versuche ich durch neue Sprossen und grünes Blätterwerk zu verdecken.
Gebe Vielen Schutz und Sicherheit, solange ich mein Inneres intakt ist.
Schöner Vergleich. Ja, es gibt schon Parallelen zwischen Menschen und Bäumen: mit Blüte und Frucht, mit Stamm und Wurzeln. Und doch gibt es auch unübersehbare Unterschiede: des Menschen Stamm heißt Rückgrat und ist mit Bedacht beweglich. Ein umgebrochener oder entwurzelter Baum: war ein Baum. Beim Menschen gibt's da doch noch Möglichkeiten ...

Als ich seinerzeit mit den Baumgeschichten angefangen habe, interessierte mich aber eben gerade diese Andersartigkeit. Wenn ich einen Baum als Lebewesen ansehe (das tun nicht viele), und wenn ich ihm gar ein Bewusstsein zugestehe (das tut fast niemand), wie müsste dann so ein Bewusstsein beschaffen sein? Denn ich bin überzeugt, dass das Bewusstsein vom Erfahrungshorizont geprägt wird, und das ist bei einem ortsfesten Baum nun mal völlig anders als bei uns kurzlebigen Hüpferlingen.

Das klingt etwas abgehoben, ist aber ganz brauchbar, wenn man mit Fremden zu tun hat: die in einer (uns) unbekannten Umwelt aufgewachsen sind, und daher nun einmal die Welt mit anderen Augen betrachten als wir.

Ich will das jetzt nicht weiter ausführen. Es hat mich jedenfalls gefreut, dass Marcella diesen Thread geschrieben hat, und dass schöne Kommentare kamen.

Grüße vom Walter
Irgendwie kann ich mich in einen Baum nicht 'reinfühlen' - der ist mir zu 'stämmig'.
Erich Kästner konnte das vielleicht besser in seinem 'Trostlied im Konjunktiv':

Wär ich ein Baum, stünd ich droben am Wald.
Trüg Wolke und Stern in den grünen Haaren.
Wäre mit meinen dreihundert Jahren
noch gar nicht sehr alt.

Wildtauben grüben den Kopf untern Flügel.
Krieger ritten und klirrten im Trab
querfeldein und über die Hügel
ins offene Grab.

Humpelten Hunger vorüber und Seuche.
Kämen und schmölzen wie Ostern und Schnee.
Läg ein Pärchen versteckt im Gesträuche
und tät sich süß weh.

Klängen vom Dorf her die Kirmesgeigen.
Ameisen brächten die Ernte ein.
Hinge ein Toter in meinen Zweigen
und schwänge das Bein.

Spränge die Flut und ersäufte die Täler.
Wüchse Vergissmeinnicht zärtlich am Bach.
Alles verginge wie Täuschung und Fehler
und Rauch überm Dach.

Wär ich ein Baum, stünd ich droben am Wald.
Trüg Wolke und Stern in den grünen Haaren.
Wäre mit meinen dreihundert Jahren
noch gar nicht sehr alt...


Ich sehe mich da eher 'luftig' - unverwurzelt, kurzlebig, und Samen dem Wind überlassend
wie ein Löwenzahn - oder, wie es so ein Zen-Typ in China vor 1000 Jahren mal ausdrückte:

"Oben kein Stückchen Dach, gegen den Regen zu schützen,
unten kein Zollbreit Boden, Halt darauf zu finden" :-D

() shouqici
Bild

Seltsam,
so jung und doch schon Herbst.
Oder, schon Herbst und noch so jung?
mir gefällt der vergleich baum - leben - auch sehr, und so einige gedanken .......

ich fühle mich verwurzelt, egal wo ich auch stehe
strecke meine äste aus nach oben, um mich am himmel festzuhalten
werde manchmal so gebeutelt vom sturm, dass es fast vorm umfallen ist, die krone ganz tief runtergeht
aber ....aber es ist unten und oben immer genug da, um nicht ganz umzufallen
es ist beruhigend, wenn andere grössere bäume da sind, die schützen können
und kleine bäumchen, die zu schützen sind, ihnen stabilität zu geben, weil sie sonst umfallen würden,
die kleinen sind immer da, die grossen .... nicht

und so .....schaue ich im moment in den grauen himmel hinein, recke meine äste etwas, und begebe mich weiter an meine arbeit .......und die kurze zeit des vergleichs ...baum - leben ......haben gutgetan ......

und ....highlights vom see
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