Ich habe mich oft gefragt, ob nicht gerade die Tage, die wir gezwungen sind, müßig zu sein, diejenigen sind, die wir in tiefster Tätigkeit verbringen? Ob nicht unser Handeln selbst, wenn es später kommt, nur der letzte Nachklang einer großen Bewegung ist, die in untätigen Tagen in uns geschieht? Jedenfalls ist es sehr wichtig, mit Vertrauen müßig zu sein, mit Hingabe, womöglich mit Freude. Die Tage, da auch unsere Hände sich nicht rühren, sind so ungewöhnlich still, dass es kaum möglich ist, sie zu erleben, ohne vieles zu hören.

Rainer Maria Rilke
Ich mag

Ich mag Köpfe, die mitdenken können.
Ich mag einen Mund der argumentieren,
lachen, küssen und Blödsinn quatschen kann …

Ich mag Ohren, die einfach mal zuhören können und
auch Zwischentöne registrieren …

Ich mag Augen, die mehr sehen als den ersten Eindruck
Ich mag es, wenn man Stellung bezieht und diese verteidigt,
ich mag Diskussionen bis in die Nacht …

Ich mag es, wenn man verlieren kann, wenn man nachdenkt,
Neues entdecken möchte …

wenn man Schulter geben kann, und eine findet zum Anlehnen,
wenn man Vertrauen schenkt …
ein Lächeln am Morgen …


Unbekannt
Falls bisher noch Zweifel daran besteht, dass Reinkarnation – so wie sie gewöhnlich aufgefasst und sehr stillschweigend von bedeutenden Buddhisten akzeptiert wird – tatsächlich möglich sein sollte, und wenn es für jeden von uns eine persönliche Zeit gibt, dann muss es für uns notwendigerweise auch normal und üblich sein, in die Vergangenheit zu reinkarnieren und bereits in der Zukunft wiedergeboren zu sein. Zweifellos haben wir schon oft den Mond in einem Raumschiff besucht, und wir werden Julius Caesar und Cleopatra sein – und ein paar Leute vom Küchenpersonal Ludwig XIV? Doch wir fragen die Meister noch immer, die sich so gerne über dieses heikle Thema ausschweigen, was es ist, was sich da reinkarniert – da doch der Erleuchtete Selbst [Buddha] niemals müde wurde uns zu sagen, dass es nichts in der Art einer Ego-Entität, einer Persönlichkeit, eines Wesens oder einer getrennten Individualität gibt. Die transzendente, unbedingte Ich-Realität, die außerhalb dieser Phänomene liegt, kann schwerlich einem zeitabhängigen Prozess unterliegen. Demnach kann es sich [bei der Reinkarnation] nur um bedingte, relative und hypothetische Elemente handeln, die einer jeweils eigenen Zeitspur folgen: Es sind unsere ‚Ichs‘, und Vergangenheit und Zukunft existieren in einer Dimension, die diese ‚Ichs‘ umschließt und das mag [für die Reinkarnation] empfänglich sein. Vielleicht ist jeder von uns verteilt auf Julius Caesar, Cleopatra, das Küchenpersonal von Ludwig XIV, Mondreisende, usw., verteilt auf alle gleichzeitig und in der selben Zeit?

aus: Wei Wu Wei, „Warum Lazarus lachte“
Manchmal ändert sich ein Leben von heute auf morgen!
Manchmal dauert es etwas länger und plötzlich sieht man,
irgendetwas ist anders.
Man merkt es schon beim Aufstehen und denkt darüber nach, was es wohl sein mag?!
Während man sich was zum Aufwachen eingießt,
merkt man: der Kaffe riecht anders, der Tee hat eine andere Farbe, die Cola hat heute nicht so viele Blubberblasen und man grübelt weiter!
Und dann merkt man:
Ich hab mich verändert!!! Ich bin anders geworden!
Ich hab mich weiterentwickelt und ich will etwas Neues für mich, mein Leben, meine Zukunft!
Man wird wissensdurstig nach diesem "Etwas", das anders ist und das Leben verändert.
Man bekommt Elan und neuen Schwung und das Wissen, daß man nicht auf einer Stelle tritt!
Das einzig Schwierige daran ist, daß andere sofort merken, daß man sich verändert und geändert hat.
Viele werden das nicht verstehen, einige werden es nicht gutheissen, aber nicht DIE müssen damit zurechtkommen, sondern man selbst!
Aber ganz so schlecht ist es nicht, daß man sieht, wer nicht mit einem zurechtkommt.
Erkennt man nicht wahre Freunde daran, daß sie einem auch in schwierigen Zeiten zur Seite stehen und für einen da sind? Sind sie es nicht, die einen wirklich akzeptieren?
Und wenn man dann verstanden hat, daß man gerade einen Schritt vorangegangen ist im Leben, sieht man zurück und merkt, welchen Ballast man zurückgelassen hat! Man spürt wie einem ein Stein von Herzen fällt, wie frei man atmen kann ohne diese Belastung!
Ein Stück leichter! Einen Schritt weiter im Leben! Ein Stück gewappneter gegen den Sturm, der einem manchmal entgegenschlägt!

© Martina Kis
Gestern bin ich gefragt worden, weshalb es so viele Arschlöcher in der spirituellen Szene gibt. Ich fand die Frage sehr lustig weil sie einmal mehr genau auf das zielt, was ich hier.... und in meiner Arbeit vermitteln möchte.

Scheinbar erwarten viele Menschen, dass es in der sogenannten spirituellen Welt nur goldene Herzen gibt, die weihevoll ihre Gaben großzügig über ihre Schäfchen ausschütten.
Licht und Liebe und so. Selten so gelacht. Es wird kräftig ausgeschüttet – und zwar eine ganze Menge Schwachsinn der die Kassen der Ausschütter füllen soll.

In der spirituellen Szene geht es nicht anders zu, als in einer Immobilien Firma oder in einer Model Agentur. Obwohl mir eine Bekannte erzählt hat, die vorher in Immobilien gemacht hat und in die spirituelle Heilarbeit gewechselt ist, dass es in ihrem jetzigen Job noch schlimmer ist als vorher...

Das ist – wie immer – ganz logisch. Es steckt ja bei den meisten Anbietern von Methoden, Seminaren und Wahrheiten immer dieselbe Hoffnung auf eine Verbesserung, Heilung, Transformation etc.dahinter.
Wenn es aber gesund gibt, gibt es auch krank. Wenn es Licht gibt, gibt es auch Dunkel. Wenn man das eine will, sagt man damit, dass man das andere ist. Wenn man sein Herz öffnen muss, ist es verschlossen. Das alles klappt nicht, habe ich auch über 30 Jahre lang versucht.
Sei bitte ein liebes Arschloch und gib mir was ich brauche! Ne, ne.

Ich bin weiterhin das Arschloch, das die Karotte versteckt. Oder alle Karotten vor eurer Nase ausbreitet, so dass man den Hasen vor lauter Wurzelgemüse nicht sieht.
Sei was du bist – bedeutet nicht etwas sein zu wollen, was man sowieso nicht sein kann. Denn du kannst immer nur das sein, was du gerade bist. Mir ist eine ehrliche Nutte lieber als Mutter Theresa, die selbst einmal gesagt hat, dass sie Nonne geworden ist, weil sie Angst vor ihrer dunklen Seite hat. Immer das gleiche: Das eine sein wollen, um das andere zu vermeiden.

Es ist eine Illusion, dass du mehr Liebe, Spirit, Freiheit oder was auch immer erschaffen kannst.
Du kannst hundert Prozent nicht hundertprozentiger machen. Fritz Perls: Eine Rose ist eine Rose ist eine Rose. Ein Arschloch ist ein...na du weißt wie es weiter geht.

Du wirst immer das Gegenteil, von dem was du willst, mit erschaffen. Deshalb gibt es wohl so viele Arschlöcher in der spirituellen Szene – weil sie endlich keins mehr sein wollen.
Ich versuche das erst gar nicht, das nimmt mir eh niemand ab.
Ich schwöre auf die Möhre.



M. Amenti: 10.09.2018
Dir zuliebe

Dir zuliebe
nehme ich Rücksicht auf mich,
bin ich geduldig mit mir,
nehme ich mir viel Zeit
für mich.

Dir zuliebe
höre ich mir zu,
höre ich auf mich,
verspreche ich mir,
immer zu mir zu halten.

Dir zuliebe
vertraue ich mir,
traue ich mir alles zu,
mache ich mich vertraut
mit meinen Höhen und Tiefen.

Dir zuliebe
will ich ein Auge auf mich werfen,
mir auf halben Weg entgegenkommen,
auf mich aufpassen
wie ein Haftelmacher.

Dir zuliebe
will ich liebenswürdig
zu mir sein.

© Ernst Ferstl
(*1955), österreichischer Lehrer, Dichter und Aphoristiker
Es gibt offensichtlich noch Originale, die sich trauen auszusprechen, was manche sich nicht einmal zu denken trauen...;-)


https://www.youtube.com/watch?v=-FrI2fc ... e=youtu.be
Nie war der Mensch so nackt wie heute.

© Harald Schmid
(*1946), Aphoristiker
Ihr aber lernet

"Ihr aber lernet, wie man sieht statt stiert
Und handelt, statt zu reden noch und noch.
So was hätt einmal fast die Welt regiert!
Die Völker wurden seiner Herr, jedoch
Daß keiner uns zu früh da triumphiert -
Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch."



Berthold Brecht
Einen Stein kann ich lieben, und auch einen Baum oder ein Stück Rinde. Das sind Dinge, und Dinge kann man lieben. Worte aber kann ich nicht lieben. Darum sind Lehren nichts für mich, sie haben keine Härte, keine Weiche, keine Farben, kein Kanten, keinen Geruch, keinen Geschmack, sie haben nichts als Worte. Vielleicht ist es dies, was dich hindert, den Frieden zu finden, vielleicht sind es die vielen Worte. Denn auch Erlösung und Tugend, auch Samsara und Nirwana sind bloße Worte. Es gibt kein Ding, das Nirwana wäre; es gibt nur das Wort Nirwana.

HERMANN HESSE
(Aus dem Buch: Siddhartha)


Mich hält kein Band, mich fesselt keine Schranke,
frei schwing ich mich durch alle Räume fort.
Mein unermeßlich Reich ist der Gedanke,
und mein geflügelt Werkzeug ist das Wort.

Friedrich Schiller
Die Huldigung der Künste. Ein lyrisches Spiel.



Der Fuchs verdammt die Falle, nicht sich selbst.
William Blake
Brecht

Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui

Epilog

"Ihr aber lernet, wie man sieht, statt stiert
Und handelt, statt zu reden noch und noch.
So was hätt' einmal fast die Welt regiert!
Die Völker wurden seiner Herr, jedoch
Dass keiner uns zu früh da triumphiert –
Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch."
Glückliche Erfahrung

Wie rund doch
die Ecken und Kanten
eines Menschen
werden können,
wenn man sie
mit Verständnis
und Einfühlungsvermögen
entschärft –
und sie einem dann
vertraut und liebenswürdig
erscheinen.

© Ernst Ferstl
(*1955), österreichischer Lehrer, Dichter und Aphoristiker