Hallo,
Kinder, die einst ausgezogen sind, stehen wieder bei den Eltern auf der Matte und ziehen ins alte Kinderzimmer ein. Das hat verschiedenste Gründe: Studium fertig und noch keinen Job, Trennung, längere Arbeitslosigkeit, Krankheit, etc.
Man nennt diese Kinder Bummerangkinder. Dies betrifft, statistisch gesehen, jede 93. Familie.

Ich gehöre dazu.
Mein Sohn wohnt seit einem halben Jahr wieder bei mir und will nächstes Jahr nach Beendigung seiner Ausbildung wieder ausziehen.

Das ist ein einschneidendes Ereignis. Die Privatsphäre in den eigenen vier Wänden ist dahin, die Arbeit verdoppelt sich und ich muss mir so manches mal sagen, dass es nur noch ein paar Monate sind. Aber wir haben auch super lustige und schöne Momente zusammen in denen wir uns die Bäuche halten und Tränen lachen. Und dann wird uns bewusst, das wir wahrscheinlich nie wieder so eng zusammenleben werden.

Wem geht es ähnlich? Ich würde mich über einen Austausch mit Gleichgesinnten freuen.
In meiner Familie war das immer so und es setzt sich auch weiter fort.
Meine Schwester lebte in Südamerika und als sie sich vor 30 Jahren von ihrem Mann trennte, kam sie mit ihren beiden Kindern zurück nach Deutschland und wohnte eine Zeit lang bei unserer Mutter, bis sie hier wieder Fuss gefasst hatte.

Schon vorher, das Gleiche bei meinem Bruder, kam mit Frau und Kind aus dem Ausland und wohnte auch eine zeitlang bei unserer Mutter.

Vor 6 Jahren kam mein Neffe, der zurückgegangen ist nach Südamerika mit seiner Frau und 2 Kindern wegen der schlimmen Verhältnisse in seinem Geburtsland und aus Angst um seine Familie zurück nach Deutschland und wohnte mehr als ein Jahr in der Wohnung meiner Schwester, die in dieser Zeit zu ihrem Lebensgefährten zog.

Wir haben einen sehr guten Zusammenhalt in unserer Familie und ich selbst bin auch schon mal bei meiner Schwester untergekommen, als ich Hals über Kopf meinen Mann verließ und ein Dach über den Kopf brauchte.
Ja, die Beziehungen untereinander müssen stimmen. Ich bin auch der Meinung, dass diese gefestigt werden wenn man sich auf eine solche Lösung einlässt. Gemeinsam.
Mein Sohn sagt, es sei toll, zu wissen, dass seine Familie immer hinter ihm steht - mit allen Konsequenzen. Und das stimmt. Das stellt sich in solchen Situationen heraus. Der Zusammenhalt ist da.
Aber dennoch trifft es die eigene Bequemlichkeit. Man muss bereit sein, die eigene Komfortzone zu verlassen.
Meine Tochter wurde kurz nach ihrem Auszug schwanger. Sie stand damals am Beginn einer Ausbildung, war noch in der Probezeit und es wurde ihr gekündigt. Während der Schwangerschaft lebte sie noch mit ihrem Freund zusammen, kurz nach der Geburt fragte sie mich, ob sie nicht zu mir zurück kommen könnte. Natürlich habe ich Ja gesagt.
Sie lebte mit dem Kleinen fast drei Jahre bei mir (den Kleinen so oft um mich zu haben, habe ich sehr genossen). Zwar habe ich viel Platz im Haus und bin ein sehr gelassener Mensch, aber diese drei Jahre haben mich an meine Grenzen gebracht.
Meine Tochter zog dann wieder aus - kurz bevor wir uns ganz entzweit hatten - mittlerweile sind wir wieder in einer schönen Annäherung.

Ja, man muss bereit sein, die eigene Komfortzone zu verlassen. Und ich glaube sogar, dass uns nichts schneller wachsen lässt, als ein solcher Schritt.
Nein, nachdem meine Söhne nach dem Abitur zum Studium ausgezogen sind, zogen nie wieder bei mir ein.

Allerdings kommt mein Jüngerer nächtes Jahr von seinem längeren Auslandsaufenthalt wieder zurück und bis er einen Job und Wohnung findet, wird er wohl bei mir wohnen. In meiner 2-Zimmer-Wohnung.

Wir werden wie in einer WG leben, das haben wir schon ausgemacht.
Also kein Hotel Mama.
Ich werde in diesem Thread Eure Erfahrungen verfolgen.
Mein ältester Sohn studierte erst Sinologie und Politik in Bochum und danach zwei Semester in China. Der Abschied war schwer. Nach zwei Semestern zog er wieder zu mir, um daheim seine Doktorarbeit zu schreiben. Er lerne vorher in China seine Freundin kennen, die nach einigen Monaten auch bei uns lebte. Haushaltsplan/Putzplan wurde, bis auf eine dumme Bemerkung meiner zukünftigen Schwiegertochter bezgl. des Putzplanes, gut eingehalten.


Heute leben sie in ihrem eigenen schönen Haus und ich besuche sie so oft ich kann, um auch meinen kleinen Enkel zu sehen. Weihnachten ist die ganze Familie bei mir und ich freue mich auf sie.
Mein Sohn zog mit 22 nach dem Tod seines Vaters eine Weile ins Elternhaus zurück. Er brauchte dieses "Heimatgefühl".
Es ist wirklich spannend und berührend, euere Geschichten zu lesen.
Vielen Dank für eure Offenheit.
Früher war es normal, für die Ausbildung sein Elternhaus zu verlassen, wenn die nicht im engeren Umkreis möglich war. Die Generation meiner Eltern war da oft erst 14 Jahre alt und mußte schon richtig arbeiten. Zu meiner Zeit dauerte die Schule schon 10 Jahre, aber mit 18 - 19 war die Lehre abgeschlossen und man war stolz, unabhängig und selbständig zu sein, seinen eigenen kleinen Haushalt einzurichten, sein eigenes Geld zu verdienen.

Auch meine Kinder sind mit 16 aus dem Haus, nur die Internate zur Berufsausbildung gab es nicht mehr. Die Selbständigkeit war für meine Kinder nicht problematisch, sie haben automatisch in hauswirtschaftliche Pflichten hineinwachsen müssen, ich war immer berufstätig, so wie sie mit meinen Enkeln jetzt auch. Das macht Kinder rücksichtsvoller und später beziehungsfähiger.

Ein wunderbarer positiver Aspekt dabei - die oft angespannten Beziehung zwischen den Generationen am Ende der Pubertät verbessert sich durch den Abstand wieder.

Und nun kann sich das Ganze wieder zurückentwickeln - wenn meine alten Eltern Hilfe brauchen, werden sie zu mir kommen. Und da ich die besten Eltern der Welt habe, werden wir trotz gelegentlich verschiedener Meinungen auch wieder miteinander auskommen.
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