Alkoholausstieg :
Warten auf den Tiefpunkt ?
Teil 1
Vielen Alkoholsüchtigen, die längst bemerkt haben, dass sie ein Alkoholproblem haben,
ist gemeinsam, dass sie den Ausstieg aus der Sucht lange und manchmal zu lange aufschieben. Sie glauben, dass nur der eigene Tiefpunkt der richtige Moment zum
Aufhören ist.
Sie irren sich. Denn eines ist sicher: Der beste Zeitpunkt. Mit dem Trinken aufzuhören,
ist genau jetzt!
Selbst wenn Suchtkranke bemerken, wie viel Schaden ihnen und ihrem Umfeld zufügt,
verzögern sie nicht selten eine klare Entscheidung für den Ausstieg. Und das kann
gefährlich sein, denn wer zu lange wartet, verschlechtert seine Chancen auf eine
erfolgreiche Therapie. Ein Hinauszögern ist ganz und gar nutzlos. Im schlimmsten Fall
warten Betroffene. Bis sie sterben. Der Tod als absoluter Tiefpunkt der Sucht.
Letztlich haben Süchtige selbst den Mythos vom Tiefpunkt als geeigneten Ausstiegs
Zeitpunkt erschaffen, um die Fortsetzung ihrer Sucht zu rechtfertigen. Sie ertragen
Das Elend der Sucht viel zu lange, weil sie erwarten, dass der besondere Tag schon
kommen wird, an dem sie genug haben, an dem sie endlich bereit sein werden aufzuhören.
Dabei definieren sie den Tiefpunkt immer wieder neu, erweitern ihn um Merkmale,
die eintreffen müssen, damit er erreicht ist.
Bisweilen weiten sie ihn, ohne es zu merken, bis zum Tod hinaus.
Dann ist es endgültig zu spät.
Der vermeintliche Tiefpunkt erleichtert nicht den Suchtausstieg, er vergrößert nur das
Leiden. Es gibt keine vernünftige Begründung für die Verlängerung von Leiden.
Aber auch die Öffentlichkeit ist häufig immer noch der Meinung, dass einem Suchtkranken
erst zu helfen ist, wenn er gänzlich am Boden ist.
Bei anderen Erkrankungen käme wohl niemand auf den Gedanken, so lange mit einer
Behandlung zu warten, bis sich die Krankheit bis zum Tiefpunkt verschlimmert hat.
Eine Alkoholsucht kann tödlich enden, wenn Interventionen zu spät kommen.


Fortsetzung folgt
Teil 2
Suchtkranke sind besonders gut darin, Gründe und Rechtfertigungen für den Aufschub
einer klaren Entscheidung vorzubringen. Diese Fähigkeit haben sie im Laufe ihrer
Suchterkrankung geradezu perfektioniert.
Viele reden sich ein, dass sie die Sucht ihnen immer noch Vorteile verschafft, ihnen
Das Leben erleichtert und die einzige Krücke ist, die sie haben, um ihr Leben irgendwie
zu meistern. Sie klammern sich an die Überzeugung, dass eine Therapie ohnehin nichts
bringen werde und der Rückfall unvermeidlich sei.
Betroffene warten darauf, dass ein Mensch kommt und sie retten möge. In ihrer
erlernten Hilflosigkeit weigern sie sich anzuerkennen, dass die einzige Person, die
sie retten kann, nur sie selbst ist. Lange halten sich die Suchtkranken an der fehlgeleiteten
Hoffnung fest, dass sich die Situation von selbst verbessert.
Tatsächlich jedoch sind sie in der Abwärtsspirale der Sucht gefangen.
Fast alle Alkoholiker neigen dazu, ihr Trinkverhalten zu rationalisieren.
Sie unterschätzen ihren Alkoholkonsum drastisch, spielen die schädlichen Folgen
herunter, beschweren sich, dass Familie und Freunde das Problem übertreiben,
geben anderen die Schuld an den Problemen.
Wenn Sie ihre Trinkgewohnheiten rationalisieren oder sich weigern, das Thema
zu diskutieren, nehmen Sie sich einen Moment, um zu prüfen, warum sie so
defensiv sind. Wenn Sie wirklich glauben, dass Sie kein Problem haben, warum
fühlen Sie sich dann gezwungen, Ihr Trinken zu vertuschen oder mit Ausreden
herunterzuspielen?
Ist es möglich, dass Ihr Alkoholkonsum Sie mehr belastet, als Sie bereit sind
zuzugeben?
Um sich der Wahrheit stellen zu können, ist es wichtig, die Mauer von
Rechtfertigungen zu durchbrechen.
„Ich kann aufhören zu trinken, wann immer ich will“
Vielleicht können Sie; wahrscheinlicher aber ist, dass Sie es allein nicht schaffen
können. So oder so ist es meist nur ein Vorwand, um weiterhin trinken zu können.

„ Der Alkohol ist mein Problem. Ich trage die Konsequenzen, so dass niemand das
Recht hat, mir zu sagen das ich aufhören muss“

Es ist wahr, dass die Entscheidung, mit dem Trinken aufzuhören, letztlich Ihre
Eigene ist.
Aber sie täuschen sich selbst, wenn Sie glauben, dass Ihre Alkoholabhängigkeit niemand
außer Ihnen weh tut. Alkoholismus wirkt sich auf allen um Sie herum aus-vor allem
auf die Menschen, die Ihnen am nächsten stehen.

Fortsetzung folgt




"Gott gebe mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann und die Weisheit,
das eine vom anderen zu unterscheiden..."
@ froggybln!

Ich kann dir nur zustimmen, bei dem was du geschrieben hast, fand das sehr aufschlussreich und möchte hier nur noch eine Kleinigkeit von mir ergänzen!

Ein ganz wichtiger Aspekt bei einem Alkoholiker, der eine Therapie gemacht hat und wirklich vorhat, ohne Alkohol zu leben, ist, seine Lebensweise am Tag und in der Nacht vollkommen umzustellen, denn es ist oft die Langeweile und die liebe Gewohnheit, warum ein trockener Alkoholiker wieder zum Alkohol greift!
Die meisten trockenen Alkoholiker wissen mit sich selber nichts anzufangen ,demzufolge auch nicht, wie sie ihren Tag gestalten sollen, vor allem, wenn sie allein leben!
Da passiert es nicht selten, dass sie wieder zur Flasche greifen, denn der Mensch ist ein Gewohnheitstier und wenn die Gewohnheit, Alkohol zu trinken, jahrelang von ihm gepflegt wurde, weiß er in seinem stillen Kämmerlein nicht, wie er den Tag und die Nacht verbringen soll?
Jetzt sagen die Meisten, aber das lernen sie doch in der Langzeittherapie? Natürlich, das stimmt, aber es gibt sehr viele Menschen, die das Gelernte nicht umsetzen oder nicht umsetzen wollen, aus welchen Gründen auch immer!
Wenn dieser Mensch aber in seinem Bekannten- oder Verwandtenkreis jemanden hat, der ihn an die Hand nimmt und ihm zeigt, wie schön und abwechslungsreich das Leben ohne Alkoholmissbrauch sein kann, denke ich, es könnte klappen, daß derjenige wieder ein ganz normales Leben ohne Alkohol führen kann?
Natürlich ist das alles nur Theorie und die Praxis sieht meistens anders aus, denn es spielen noch ganz viele Faktoren hinein, damit ein trockener Alkoholiker wirklich trocken bleibt und dadurch seine Lebensqualität wieder zurück gewinnt?
Falls jemand denkt, ich schreibe das aus eigener Erfahrung, so muß ich sagen, stimmt leider nicht, ich habe mich ganz intensiv damit befaßt, befasse mich immer noch damit, eine Lösung zu finden, denn ich finde es ganz schlimm, wenn der Alkohol einen Menschen derart beherrscht, daß sich alles nur noch um ihn dreht und er die Schönheiten der Natur und der Welt dadurch gar nicht mehr mitbekommt!


@ waterlo! Deinen Spruch kenne ich natürlich, der ist ganz toll!
Teil 3 und Schluß

Fortsetzung

„ Ich trinke nicht jeden Tag und wenn, dann nur
Wein oder Bier. Also kann ich kein Alkoholiker sein!“

Eine Alkoholabhängigkeit definiert sich nicht darüber, was
Sie trinken-oder wie viele glauben-darüber, wie viel Sie trinken.
Es sind mehr die Auswirkungen des Trinkverhaltens, die das
Problem bestimmen. Wenn der Alkoholkonsum Probleme
Im Privatleben oder am Arbeitsplatz versucht, dann besteht
ein Alkoholproblem- ob nun täglich getrunken wird oder
nur an den Wochenenden, ob es Tequila, Wein, drei Flaschen
Bier oder drei Flaschen Whisky sind.
„ Ich bin kein Alkoholiker, weil ich einen Job habe und mein Leben
ansonsten ganz normal abläuft“
Man muss nicht obdachlos sein, um Alkoholiker zu sein.
Viele Alkoholiker sind zunächst noch lange in der Lage, zur Arbeit
zu gehen, angemessene Leistungen zu bringen und für ihre Familie
zu sorgen. Einige sind sogar extrem angepasst und zeigen überdurchschnittliche
Leistungen. Das darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Auswirkungen
der Sucht sie irgendwann einholen.
Wenn zugegeben wird, dass ein Alkoholproblem vorhanden ist, ist bereits der
erste Schritt getan. Es erfordert zwar enorme Kraft und großen Mut, sich der
Problematik zu stellen, aber es bedeutet auch eine erhebliche Erleichterung,
endlich nicht mehr verheimlichen zu müssen, dass man krank ist.
Diese Verdrängungsmechanismen rauben letztlich mehr Kraft und Energie als
das Eingeständnis, dass man krank ist. Sich Unterstützung zu holen ist ein
zweiter Schritt auf dem Weg in ein alkoholfreies Leben.
Ob eine stationäre oder ambulante Therapie, die Teilnahme an Selbsthilfegruppen
oder einen anderen Behandlungsansatz wählen, Unterstützung ist in jedem Fall
unerlässlich. Ohne Unterstützung besteht die Gefahr, in alte Verhaltungsmuster
zurückzufallen, wenn es zu Problemen oder Konflikten kommt.
Nüchtern werden ist aber nur der Anfang der Behandlung.
Für eine dauerhafte Überwindung des Alkoholproblems muss auch die Psyche wieder
gesunden. Betroffene lernen während der Behandlung, gesündere Bewältigungs-
strategien bei Konflikten anzuwenden und besser mit den Herausforderungen des
Lebens umgehen zu können. Um langfristig trocken zu bleiben, müssen auch die
zugrunde liegenden Probleme, die letztlich in die Sucht geführt haben, behandelt werden.
Das können Depressionen, unbewältigte Kindheitstraumata oder auch die Unfähigkeit sein, mit Stress umzugehen. Zwar können solche Probleme während der Behandlung
die Betroffenen regelrecht überfluten, wenn ihnen der gewohnte Problemlöser
Alkohol fehlt, aber letztlich profitieren sie davon, sich den Problemen zu stellen
und sich vielleicht zum ersten Mal wirklich zu öffnen.
Alkoholismus ist eine komplexe Krankheit, die praktisch jeden Aspekt des Lebens
beeinflussen kann. Sie zu überwinden erfordert Änderungen in der Lebensweise,
der Problembewältigung und in den Beziehungen zu anderen.
Es ist nicht nur eine Frage der Willenskraft, eine Alkoholabhängigkeit zu überwinden.
Es erfordert enormes Engagement und Unterstützung.
Die Behandlung einer Alkoholkrankheit ist ein steiniger Weg, der Zeit und Geduld
Erfordert und schmerzhaft für die ganze Familie sein kann.
Aber je früher man sich auf den Weg macht, umso besser stehen die Chancen, dem
Teufelskreis der Sucht zu entkommen.








Wir gaben zu, dass wir dem Alkohol gegenüber machtlos sind ---- und unser Leben
nicht mehr meistern konnten.

Eine Erkenntnis, die den betroffenen Menschen die Chance zum Überleben gibt.
Alkohol ist ein gutes Lösungsmittel, aber löst keine Probleme.
Sowie
Sucht kommtnicht von Drogen, sondern von betäubten Träumen, verdrängten Sehnsüchten, erfrorenen Gefühlen und verschluckten Tränen.
Zieht Euch bitte diese Sätze rein.
Euer Steffel1956
trocken seit 28.04.2004
....der 8. Schritt....

"Wir machten eine Liste aller Personen, denen wir Schaden und Unrecht zugefügt hatten und wurden willig, es bei allen wieder gut zu machen......"

Da erfordert aber den absoluten Willen, ein Leben in Trockenheit zu leben........
Ja, woterlo.

Die Kernfrage für den Süchtigen ist : "willst Du weiterleben oder zugrunde gehen".

Ich finde weiterleben besser.

Was den Willen zur Wiedergutmachung betrifft : entscheidend ist echt der Wille.
Manchmal funktioniert sie nicht, aus den verschiedensten Gründen.
Guten Tag
Muss mich mal hier einmischen. Vieles hört sich so an als wenn ein Alkoholiker so was wie den Tiefpunkt steuern kann . Nee natürlich nicht. Der Weg zum persönlichen Tiefpunkt ist von Kranken zu Kranken sehr unterschiedlich. Dem einen reicht eine Abmahnung auf der Arbeit. der anderen braucht die Obdachlosigkeit oder mal so 2 Wochen komasaufen. Obwohl der Alkoholiker weis das mit Ihm was nicht in Ordnung ist verdrängt er diese Einsicht. Niemand gibt so schnell etwas auf .was Ihn erst ein Mal offensichtlich ihm gut tut. Alkohol ist für Ihn die Krücke zum Leben. Ohne Alkohol fehlt Ihm die Krücke kein Leben. Die vorhandene Ängste lassen sich ohne Alkohol sehr schwer ertragen. Nur wenn er dann das Gesaufe nicht mehr ertragen kann fällt er eine Endscheidung. Die dann heißt Abstinent zu Leben.

Er muss dann das Leben ohne Alkohol also ohne Krücke erlernen. Sein Bewusstsein dafür muss gestärkt sein. Sein Selbstbewusstsein muss stark genug sein. Die Erinnerung an seinen Tiefpunkt muss präsent sein.

Das wichtigste ist : Es muss ihn ohne Alkohol besser gehen als mit.

Im Übrigen wird niemand aus lange Weile Rückfällig oder nimmst sich deshalb jemand das Leben weil ihm langweilig ist. Das hat ernste und tiefere Ursachen.

Ein trockener Alkoholiker kann sich solche oberflächlichkeiten nicht leisten.
Zu der Widergutmachung kann ich nur sagen, das es kein Therapieansatz sein kann allen Betroffenen z. B den Kindern ein Widergutmachung anzubieten. Das geht nicht.

Trocken seit dem 01.05. 83 Behandelt in der Fachklinik Furth im Wald
.
Natürlich ist das alles nur Theorie und die Praxis sieht meistens anders aus, denn es spielen noch ganz viele Faktoren hinein, damit ein trockener Alkoholiker wirklich trocken bleibt und dadurch seine Lebensqualität wieder zurück gewinnt?

Alles ausser Saufen ist Leben .Leben ist Lebensqualität. So muss das heissen ansonsten bleibt nur das Totsaufen weil eine Eigenschaft von Sucht ist das immer Mehr

Gruss Nichts für Ungut
waterlo -JA! Mein Mann hat damit 1970 den Ausstieg geschafft. Und wir hatten noch 32 gute Jahre miteinander! Ich war in der Gruppe der Angehörigen sehr aktiv - das hat auch mir viel geholfen.
Und noch heute habe ich Freundinnen aus dieser Zeit - das sind nun über 40 Jahre her...

Warum darf man nicht sagen, woher der "Gelassenheitsspruch" kommt?  
 
Old Lady
*Das Gelassenheitsgebet ist ein vermutlich von dem US-amerikanischen Theologen Reinhold Niebuhr verfasstes Gebet.

Danach Friedrich Christoph Oetinger 1702 - 1782*

von den AA übernommen

Gruss
Danke, Grosserberliner - das weiss ich , d.h. Oetinger. Meine Frage ging dahin, dass es für Betroffene doch Sinn machen würde, die AA zu nennen. In fast allen Städten und grösseren Ortschaften gibt es Gruppen. Betroffene helfen Betroffenen - das gilt auch für die Angehörigengruppe Al-Anon. 
Hallo OldLady. warum sollte man das nicht sagen dürfen. Davon ist mir nicht bekannt geworden. Der Spruch wird auch bei und von anderen benutzt. Oder verstehe ich deine Frage nicht??

Gruss