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...tierisch gefährlich :-)
74 | 446 Aufrufe | 19.07.2018, 11:10

  Sommer 1970,  im Kanton Uri/ Innerschweiz

…na ja, bei dieser Affenhitze sollte ich vielleicht doch mal in die Höhe, wo ein rauhes Lüftchen weht.

Allerdings schon der Gedanke ans Wandern, lässt mich zurück auf die Couch purzeln.

Dabei liegt mir meine Chefin, eine Wanderfanatikerin und Oberärztin, ständig in den Ohren, endlich doch einmal einen Urner Berg zu besteigen.

Nun, dieses Wochenende mache ich ihr den Gefallen.. Natürlich werde ich ihr am Montag dann beim « Znüni» brühwarm und sehr bildhaft vom schwierigen Aufstieg erzählen.

Ich fahre also mit dem Bus nach Bürglen/ UR, wo der Wilhelm Tell zu Hause war und gehe dort zur Seilbahnstation Biel.

Kein Mensch zu sehen und ich überlege, ob tatsächlich die andern alle zu Fuss gehen. Da kommt auch schon der Stations Urner, lässt mich ins Bähnli steigen, das nur zwei kleine Bänkli hat, die sich gegenüber liegen. Rechts und links ein stabiler Eisenbügel und ein Blechdach überm Kopf.

Gemütlich nehme ich Platz und überlege krampfhaft, ob ich so ganz alleine, meine Höhenangst überwinden kann. Bevor das Bähnli abfährt, kommt der Urner noch einmal und fragt: « esch glich, wenn no öper mit chunt?»

Erleichtert erwidere ich spontan, dass es mir sogar recht wäre, nicht allein fahren zu müssen.

Da verschwindet er, kommt nach ein paar Minuten zurück, dieses Mal mit einer grossen ausgewachsenen Sau. Ich traue meinen Augen nicht, als er diese mit einem heftigen Ruck zwischen die beiden Bänkli schiebt.

Eingeklemmt schaut sie mich verdutzt an und ich ebenso retour, nur dass ich (Städterin) dabei Angst habe.

Schnell schwinge ich meine langen Beine aufs Bänkli und wäre ich nicht schon gesessen, wäre ich vermutlich der Länge nach weggekippt.

Es ruckelt, es zuckelt und schon beginnt das Bähnli langsam zu fahren. Die Sau grunzt, schnüffelt an meinen Beinen, das Bähnli schwankt und ich schicke ein Stossgebet zum Himmel. Nein, so wollte ich mein Leben nicht beenden: 

« abgestürzt in den Urner Bergen mit einer Sau»

Immerhin würde ich genau bei meiner Chefin im Kantonsspital Uri in Altdorf auf dem Röntgentisch landen. Welch ein Drama!!!!

Ich ziehe meine Sonnenbrille an, damit die Sau die Angst in meinen Augen nicht sehen kann.

Endlich ist auch schon die erste Station in Sicht, wo der Bauer Aschwanden auf meine grunzende Begleitung wartet.

Ich aber schwanke völlig fertig auf die Terrasse der Beiz « zur frohen Aussicht» und bestelle einen Kartoffelsalat.

 

 

 

Kategorie: Selbst erlebtes... | 36 Kommentar(e)

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