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s'Bethli vom obere Stock....
85 | 346 Aufrufe | 05.09.2018, 06:33

Es klingelt. Schnell werfe ich einen Kontrollblick in den Korridorspiegel, fahre durch mein Haar und öffne die Wohnungstür. Vor mir steht eine ältere, nicht mehr so ganz schlanke Dame, die sich schweratmend an einem Rollator festhält.

«Siiie« bellt sie mich energisch an «sie hend i de Wöschmaschin da Schrübli vergesse!», dabei streckt sie mir mit der linken Hand demonstrativ eine grosse Schraube entgegen.

«Chömed sie zerscht mol ine» beruhige ich sie und schiebe sie langsam samt Schraube in mein Esszimmer. Sie will sich aber nicht beruhigen und erklärt mir lautstark, dass nach jedem Waschgang der Dichtungsring gereinigt werden müsse, damit eben keine Schrauben darin liegen bleiben.

Ich frage sie erstaunt, weshalb sie damit zu mir käme, ich hätte weder eine Schraube benutzt, geschweige denn gewaschen.

«Aber im Hosesack vo ihrem Maa, war sicher ä Schruubä» Beruhigend erkläre ich ihr, dass ich gar keinen Mann habe und auch sonst keine Schraube bei mir locker wäre. Dann biete ich ihr, da sie sehr aufgewühlt scheint, einen Stuhl an, auf den sie sich gewichtig niederlässt.

Während ich ihr also erkläre, dass eine andere Mieterin vermutlich die Schraube im Dichtungsring vergessen haben muss, fällt ihr Blick auf mein Klavier und sie fragt erstaunt:  «schpilled si Klavier? «

Lachend verneine ich und ernte sofort einen entrüsteten Blick. »Söttige Platzverschwendig, do hetti e schöne Gschirrschrank guet Platz» meint sie aufgeregt und schnell erkläre ich ihr, dass aber meine Tochter Klavier spiele.

« Wass!» kommt es wie aus der Pistole geschossen, «äh Tochter hend sie au no, aber kei Maa» und reflexartig verschweige ich, dass ich eigentlich vier Töchter habe.

Dann erzähle ich stolz, dass ich ja schon ein klein wenig spielen könne und zwar die ersten Takte von «Hey Jude», weil mich vor Jahren ein Hotelkoch aus Einsiedeln unter diesen Klängen geküsst habe. Das aber scheint sie nicht wirklich zu interessieren. :-(

Ich biete ihr einen Kaffee an und während sie ihn genüsslich schlürft, erzählt sie mir ausführlich, dass sie das «Bethli vom obere Stock»  wäre und ihr Mann, der Willi, seit einigen Jahren unter der Erde liege. Ich setze mein mitleidigstes Gesicht auf und schenke noch einmal nach. Dummerweise habe ich keine Gutzi da, die ich dazu servieren könnte.

Während es ihr bei mir anscheinend beginnt zu gefallen, erzählt sie ausführlich aus ihrem Leben und dass sie und ihr Willi immer getrennte Schlafzimmer gehabt hätten.

«Echt??» frage ich etwas erstaunt, «auch anfangs ihrer Ehe?»

Bethli versteht meine unausgesprochene Frage und meint verschmitzt: «wenn er öps hett welle vo mir, hett er immer pfiffe»  Mir entfährt ein lautes Lachen...

« ähm…  und wenn aber sie mol hend öps welle? « frage ich leicht errötend.

Da lacht sie und meint erklärend:

« De han ich eifach g'ruefe, Willi, hesch scho pfiffä?»

 

Nachtrag für die Nichtschweizer !!

"wenn er öps hett welle vo mir, hett er immer pfiffe" = wenn er etwas wollte von mir, hat er immer gepfiffen :-)  

Damit wollte er, dass sie zu ihm ins Zimmer komme :-))

" Willi, hesch scho pfiffe"  = Willi hast du schon gepfiffen ?  

Dann wollte sie etwas von ihm :-))

 

 

Kategorie: Selbst erlebtes... | 40 Kommentar(e)

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