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Hanna ? ...
64 | 505 Aufrufe | 27.05.2018, 08:08

«Du glaubsch jo nit, was hüt Nacht bi mir los war» mit diesen verheissungsvollen Worten stürmt meine Schwester morgens um halb sieben in mein Schlafzimmer und setzt sich auf meine Bettkante.

« Mischt, ich han widr mol vergesse, abz’schlüssä  « denke ich verschlafen und so frage ich sie leicht mürrisch, was denn so wichtiges passiert wäre.

«Du weisch doch, d’ Fam. B. über mir,  isch i de Ferie !» erklärt sie bedeutungsvoll und ich denke für mich, dass mir das schnurzegal ist, jeder geht mal in die Ferien.

Familie B. hat also das Schlafzimmer genau über dem meiner Schwester und da das Haus etwas hellhörig ist, hört sie seit Jahren, wann das Ehepaar aufsteht und dann morgens um halb sechs durch’s Treppenhaus rennt  und zur Arbeit in eine Grossgärtnerei fährt.

Aber zurück zu meiner Schwester auf dem Bettrand !

« Du, hüt Nacht hani zwüschen 00 und 03 Uhr immer öps g’hört über mir, so als würdi öps uf de Bode fallä und immer weni g'hofft han , jetzt schlof ich widr i, fiel widr öpis uf de Bode..»

«Bisch sicher, dass du wach warsch und nit träumt hesch?» frage ich etwas unlustig und erhebe mich, um mir einen ersten Kaffee in der Küche zu holen.

Sie rennt hinter mir her und erzählt aufgeregt weiter, dass sie hellwach gewesen sei und doch nicht spinne. Ich schaue sie kritisch an und giesse noch etwas Milch in meine Tasse.

Ganz genau habe sie das fallende Geräusch gehört und dass etwas wie weg gekugelt wäre…so als wenn etwas auf dem Boden rollt, etwas Hartes.

«Hmmm» meine ich nachdenklich, schaue in meine Kaffeetasse und frage, ob sie auch einen wolle.

Und wenn die Christine ( Tochter) eventuell mal ausnahmsweise im Elternschlafzimmer schläft, statt in ihrem, frage ich hoffnungsvoll. Meine Schwester aber erwidert energisch, dass sie die Christine am Abend mit einer grossen Tasche habe weggehen sehen.

« Diä isch sicher widr zu ihrer Fründin uf Stei am Rhy gange, dete schloft sie denn au. «

Nun wird’s kritisch, denn Fam.B. hat kein Haustier und eine Maus, wenn es denn eine wäre, ist doch viel leiser.

Vielleicht ist aber auch nur ein Fenster offen und wegen eines Windstosses fallen Gegenstände auf den Boden, lasse ich vermuten.

So sitzen wir also, ratlos mit unseren Kaffeetassen in der Hand, auf meiner Bettkante, bis meine Schwester etwas leise laut meint: 

« und wenns d’Hanna war hüt Nacht?» 

dabei macht sie ganz grosse Augen und blitzartig hängt diese Frage unheilschwanger in meinem Schlafzimmer über unseren Köpfen. « hmmm, diä brüchti jo kei Schlüssel, diä chämi eifach dur d’Wand» erwidere ich ebenso flüsternd und eine etwas seltsame Stimmung macht sich breit.

Hanna ist die vorherige Mieterin, die über 40 Jahre in der oberen Wohnung genau über dem Schlafzimmer meiner Schwester geschlafen hatte und mit über 85 Jahren nur widerwillig ins Pflegeheim gebracht wurde, wo sie dann nach 2 Tagen einfach aufhörte zu atmen. Sie hatte ihr Leben lang gegen Alters-oder Pflegeheime gewettert.

« Glaubsch du das? « flüstere ich und schaue dabei kritisch zur Decke.

« Mr hört jo oft, dass Seelen um Mitternacht gern wider i ihri Wohnige z’ruck chömmet, will sie sich nit verabschiedet hend und du weisch jo d’Hanna hät niä is Pflägheim welle. Es git gnueg einschlägige Literatur über söttige Ereigniss.» klärt mich meine Schwester etwas unsicher auf.

«Das wär dicki Post», erkläre ich kopfschüttelnd. Nach einigen Schweigeminuten fragt mich meine Schwester zaghaft, ob sie eventuell die kommende Nacht bei mir schlafen könne. Grundsätzlich ist das möglich meine ich, aber wie wollen wir herausfinden, ob’s die Hanna wirklich ist.

So beschliessen wir, die kommende Nacht gemeinsam im Schlafzimmer meiner Schwester zu wachen und zu recherchieren. Die Vorstellung, dass die Hanna vielleicht nachts wieder da ist, hat etwas Abenteuerliches.

Im Laufe des Tages kann es meine Schwester nicht unterlassen und schreibt der Frau B. nach Griechenland eine WhatsApp ,mit der Frage, ob sie bald heimkäme.

Frau B. schreibt sofort besorgt zurück, was passiert wäre, worauf meine Schwester ihr vom Gerumpel der Nacht berichtet.

Da kommt postwendend eine Antwort : « sorry, Milda schläft ein paar Tage in unserm Schlafzimmer»

Milda ist die zweite Tochter, die vor einiger Zeit ausgezogen war.

Irgendwie bin ich enttäuscht, ich hätte zu gern mal erlebt, wie es ist, mit einem Geist, den man sogar noch gekannt hatte, unter einem Dach zu leben.

 

Nachtrag für alle die unsere Wohnsituation nicht kennen :-)

Meine Zwillingsschwester wohnt im selben Haus, auf der selben Etage. Sie rechts und ich links vom Treppenhaus, wir pflegen einen sogenannten Durchgangsverkehr :-)))

 

 

 

 

 

 

 

Kategorie: Zwillingsgeschichten | 26 Kommentar(e)

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